Geliebte Brüder, selig die Seele, die in allem unserem Herrn Jesus Christus folgen kann […], wohin er auch geht (vgl. Off 14,4). Sie wird zur Ruhe der Kontemplation aufsteigen und friedvoll erkennen, „dass er Gott ist“ (vgl. Ps 46,11). Durch die Ausübung der Nächstenliebe steigt sie wieder herab und folgt ihm bis hinein in die Erniedrigung des Dienens, in die Liebe zur Armut, in das Ertragen von Hunger, Durst, Müdigkeit und Arbeit. Sie weint und betet mit ihm, leidet mit ihm, bis hin zur Passion. Denn Christus kam und war gehorsam bis zum Tod; er kam, um zu dienen, nicht um bedient zu werden; er kam, um zu geben – nicht Gold oder Silber, sondern seine Lehre und um vielen seine Hilfe zu erweisen, ja, um sein Leben hinzugeben für die Vielen (vgl. Mk 10,45). […]
Das, liebe Brüder, soll also das Vorbild eures Lebens sein, denn dies ist die Regel eines heiligen Wandels: mit Christus [schon jetzt] im Denken und Sehnen in der himmlischen Heimat zu leben; für Christus keinen Liebesdienst in dieser harten irdischen Verbannung zu verweigern; in der Nachfolge Christi, der zum Vater aufsteigt, in der Ruhe der Betrachtung immer geringer, immer einfacher werden und sich mit ihm vereinen lassen; Christus nachfolgen und sich zum Bruder hinabbeugen, sich gebrauchen, teilen und aufteilen zu lassen, „allen alles werden“ (vgl. 1 Kor 9,22). Wir wollen also nichts verachten, was Christus bewegt; uns für nichts interessieren, was nicht auf Christus bezogen ist; nur nach ihm wollen wir dürsten; uns nur um ihn kümmern, dort sein, wo es nichts als Christus gibt; uns gerne in den Dienst aller stellen, dort, wo seine Gegenwart sich vervielfacht (vgl. Mt 25,35 ff.).
Quelle: Evangelizo