Tagesevangelium

Hl. Gregor der Große

Manchmal strengen wir uns an, in einer Tugend zu wachsen und bestimmte Gnaden zu erlangen. Andere jedoch werden uns verwehrt, und schon befinden wir uns in tiefer Niedergeschlagenheit.

Es gibt in der Tat keinen Menschen, der jede Tugend, die er möchte, erlangt, weil der allmächtige Gott die Herzen prüft und sogar dem geistlichen Fortschritt eine Grenze setzt. Denn wenn der Mensch sich seiner Unzulänglichkeit bewusst wird und seine eigenen Grenzen erkennt, hindert ihn dies daran, stolz zu werden auf das, was er erreichen kann. Das ist auch der Grund, weshalb der große Lehrer [Paulus], der in den dritten Himmel entrückt worden war und die Geheimnisse des Paradieses ergründet hatte, nach dieser Offenbarung nicht mehr in Frieden und ohne Versuchung leben konnte.

Da nun der allmächtige Gott dem Menschen unüberwindbare Grenzen gesetzt hat, so ließ er diesen Lehrer, nachdem er ihn zu Erkenntnis himmlischer Dinge erhoben hatte, auch wieder an seiner Schwachheit leiden, damit Paulus, als er das Ausmaß seiner [geistlichen] Begabung erkannte – gerade in dem Moment, als er vergeblich versuchte, heitere Ruhe zu genießen –, nicht vom Stolz fortgerissen würde, sondern in Demut genötigt wäre, innerhalb seiner Grenzen zu bleiben.

Quelle: Evangelizo

zurück