Tagesevangelium

Johannes Tauler

Jerusalem war eine Stadt des Friedens und auch des Unfriedens, da Jesus dort unermesslich gelitten und eines überaus bitteren Todes gestorben ist. In dieser Stadt sollen wir seine Zeugen sein, und zwar nicht mit Worten, sondern in Wahrheit, durch unser Leben, indem wir ihm nachfolgen, so gut wir können. Viele Menschen wären gerne Zeugen Gottes im Frieden, wenn alles nach ihrem Willen abliefe. Sie wären gerne heilig, sofern sie in ihrem Streben und Einüben auf nichts Bitteres stießen. Sie möchten gerne empfinden, glauben und bekennen, aber ohne Bitterkeit, ohne Mühen und Trostlosigkeit. Sobald aber große Prüfungen über sie kommen und Dunkelheit und sie Gott nicht mehr spüren, sobald sie sich innerlich und äußerlich verlassen fühlen, wenden sie sich ab und erweisen sich so nicht als wahre Zeugen.

Alle Menschen suchen Frieden; überall und in allem, was sie tun, suchen sie Frieden. Ach, könnten wir uns doch von dieser Suche freimachen und Frieden im Unfrieden suchen! Nur dort entsteht wahrer Friede, Friede, der bleibt und von Dauer ist. […] Lasst uns den Frieden im Unfrieden suchen und Freude in Trauer, Gelassenheit in Unbeständigkeit und Trost in Bitterkeit: So werden wir in Wahrheit zu Zeugen Gottes.

Quelle: Evangelizo

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