Aus der wahren Liebe, die ganz göttlich ist, kommt auch das Gute, das wertvoller ist als alles, was man ersehnt. Sie sammelt alle, die es suchen, und zieht sie an sich. Die Verdienste, die aus der Sehnsucht nach dem Himmel und aus den geistlichen Stoßseufzern durch göttlichen Antrieb kommen, und ebenso alle Werke des Menschen, die er um Gottes willen vollbracht hat, wägt sie mit gerechtem Urteil. So ist auch für alle, die Gott vollkommen lieben, klar, wenn ich durch meinen Diener Jeremia sage: „Ich, der Herr, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, um jedem zu geben nach seinen Wegen, entsprechend der Frucht seiner Taten“ (Jer 17,10).
Das ist so zu verstehen: Diejenigen, die Gott lieben, suchen durch keine falschen Vorwände einen anderen als Ihn selbst und wollen kein Geflüster der Begehrlichkeit des Fleisches mit einem anderen haben. Der Mensch setzt trotzdem häufig seinen Eigenwillen durch, wie auch Adam versuchte, wie weit er gehen könnte. Der Mensch aber kann nicht Gott und dem Teufel zugleich dienen (vgl. Mt 6,24), weil der Teufel das hasst, was Gott liebt, und weil Gott das nicht will, was der Teufel liebt. So ist es auch im Menschen, weil das Fleisch sich an Sünden ergötzt, während die Seele nach Gerechtigkeit dürstet; und zwischen diesen beiden herrscht ein heftiger Kampf, weil der eine Teil dem anderen entgegengesetzt ist. Dennoch wird das Werk, das der Mensch beginnt, auf diese Weise mit großer Anstrengung vollendet, so wie auch ein Knecht gezwungen wird, seinem Herrn zu dienen. Denn das Fleisch beginnt die Sünde mit der Seele, die es sich unterworfen hat, und die Seele bewirkt ein gutes Werk mit dem Fleisch, das sich ihr unterwirft.
Wenn aber der Mensch nach der Sehnsucht seiner Seele lebt, verleugnet er sich aus Liebe zu Gott und macht sich zu einem Fremdling bei den Begierden des Fleisches. […] Wenn er sich zum Guten bekehrt hat, werden seine Wunden im Blut des Lammes gereinigt. Dann wird auch das himmlische Heer, wenn es diesen geheilt sieht, zu herrlichem Lob Gottes angespornt. Deshalb soll jeder Mensch, der Gott fürchtet und liebt, diesen Worten sein Herz in Hingabe öffnen!
Quelle: Evangelizo