Tagesevangelium

Hl. Johannes Chrysostomus

Das höchste Gut ist das Gebet, das vertraute Gespräch mit Gott. Es ist die Beziehung mit Gott und die Vereinigung mit ihm. So wie die leiblichen Augen beim Anblick des Lichtes leuchten, so erstrahlt auch die auf Gott hin ausgerichtete Seele von seinem unbeschreiblichen Licht.

Das Gebet ist nicht das Ergebnis eines äußeren Verhaltens, sondern kommt aus dem Herzen. Es beschränkt sich nicht auf bestimmte Stunden oder Momente, sondern vollzieht sich beständig bei Tag und bei Nacht. Man darf sich nicht damit begnügen, sein Denken nur dann auf Gott zu richten, wenn man sich ausschließlich dem Gebet widmet, sondern auch dann, wenn es von anderen Beschäftigungen – wie der Sorge um die Armen oder irgendeiner anderen Sorge um ein gutes und nützliches Werk – in Anspruch genommen wird, soll man dies mit der Sehnsucht nach Gott und mit der Erinnerung an ihn verweben, um dem Herrn des Universums eine überaus köstliche, mit dem Salz der Gottesliebe gewürzte Speise darzureichen.

Das Gebet ist das Licht der Seele, die wahre Erkenntnis Gottes, ein Vermittler zwischen Gott und den Menschen. Durch das Gebet erhebt sich die Seele zum Himmel und umfängt den Herrn mit unaussprechlichen Umarmungen. Wie ein Säugling zu seiner Mutter, so schreit sie zu Gott und weint vor Durst nach der göttlichen Milch. Sie bringt ihre verborgensten Wünsche zum Ausdruck und empfängt Gaben, die die gesamte sichtbare Natur übersteigen. Das Gebet, durch das wir uns ehrfürchtig Gott zuwenden, erfreut das Herz und schenkt Ruhe der Seele.

Quelle: Evangelizo

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