Meine Brüder, wenn der Glaube uns überall die Gegenwart Gottes erkennen lässt, so lässt uns die Hoffnung alles, was wir tun, einzig und allein in der Absicht tun, dem lieben Gott zu gefallen, in der freudigen Erwartung eines ewigen Lohnes. Da also, meine Brüder, diese Tugend unsere Leiden so sehr mildert, wollen wir nun gemeinsam schauen, worin diese schöne und kostbare Tugend der Hoffnung besteht.
Wenn wir, meine Brüder, das Glück haben, im Glauben zu wissen, dass es einen Gott gibt, der unser Schöpfer, unser Erlöser und unser höchstes Gut ist, der uns nur geschaffen hat, damit wir ihn erkennen, ihn lieben, ihm dienen und ihn besitzen, dann lehrt uns die Hoffnung, dass wir, obwohl wir dieses Glücks unwürdig sind, durch die Verdienste Jesu Christi darauf hoffen können. Damit also, meine Brüder, unsere Taten der Belohnung würdig werden, bedarf es einer dreifachen Voraussetzung: des Glaubens, der uns erkennen lässt, dass Gott darin gegenwärtig ist; der Hoffnung, die uns dazu bewegt, diese Taten allein in der Absicht zu vollbringen, ihm zu gefallen, und der Liebe, die uns an ihn als unser höchstes Gut bindet. Ja, meine Brüder, wir werden niemals den Grad der Herrlichkeit erkennen, den uns jede Tat im Himmel einbringt, wenn wir sie nur mit reiner Gesinnung für den lieben Gott vollbringen; nicht einmal die Heiligen, die im Himmel sind, finden das heraus. […]
Aber was, so werdet ihr mir sagen, bedeutet das Wort „hoffen“? Hier ist die Antwort, meine Brüder: Es bedeutet, nach etwas zu verlangen, das uns im anderen Leben glücklich machen wird; es bedeutet, sich inständig nach der Erlösung von den Übeln dieses Lebens zu sehnen und den Besitz aller Arten von Gütern zu begehren, die uns vollkommen erfüllen können. […] Ich sage, dass unsere Hoffnung allumfassend sein muss, das heißt, dass wir uns in allem, was uns widerfahren kann, an den lieben Gott wenden sollen.
Quelle: Evangelizo