Tagesevangelium

Hl. Bernhard von Clairvaux

„Er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen“ (Ps 90(91),11). Welche Ehrfurcht muss dir dieses Wort einflößen, welche Hingabe in dir hervorbringen und welches Vertrauen muss es dir schenken! Ehrfurcht wegen ihrer Anwesenheit, Hingabe wegen ihres Wohlwollens, Vertrauen wegen ihres Schutzes. Sie sind also da, sie sind bei dir, nicht nur mit dir, sondern auch für dich. Sie sind da, um zu schützen, sie sind da, um zu helfen. Wie kann ich dem Herrn vergelten, was er für mich getan hat? (vgl. Ps 115(116),3). Ihm allein gebühren Ruhm und Verherrlichung für diese Hilfe; er ist es, der ihnen den Auftrag dazu gegeben hat. „Jedes vollkommene Geschenk“ (vgl. Jak 1,17) kann nur von ihm kommen. Aber wenn auch Gott sie aufgeboten hat, so dürfen doch wir nicht gegen sie undankbar sein. Denn aus großer Liebe gehorchen sie, und sie kommen uns in dieser großen Not zu Hilfe.

Lasst uns also diesen großen Beschützern ergeben und dankbar sein, ihre Liebe erwidern und sie ehren, soviel wir vermögen, wie es unsere Pflicht gebietet. […] Lieben wir in Gott seine Engel, sie, die einst unsere Miterben sein werden, inzwischen aber vom Vater als unsere Sachwalter, Beschützer und Wegweiser für uns bestimmt sind. Denn schon „jetzt sind wir Kinder Gottes“, wenn das auch noch nicht sichtbar geworden ist (vgl. 1 Joh 3,2), weil wir noch unmündige Kinder sind und unter der Vormundschaft stehen, nicht unterschieden von den Sklaven.

Im übrigen: Wenn wir auch noch Kinder sind und noch ein weiter Weg vor uns liegt – er ist nicht nur weit, sondern auch gefährlich –, warum sollten wir uns fürchten, da wir doch so hohe Beschützer haben? […] Die Engel sind treu, klug und mächtig; warum zittern wir? Wir brauchen ihnen nur zu folgen, ihnen anzuhangen, und wir leben unter dem Schutz Gottes.

Quelle: Evangelizo

zurück