Tagesevangelium

Hl. Hildegard von Bingen

[Die heilige Hildegard schildert eine Vision, in der Laster und Tugend einander gegenüberstehen:] Die Worte des Ungehorsams: „Warum beachten wir die Befehle anderer? Wenn wir so handeln, dann sehen wir nicht, noch erkennen wir, was wir sind. Wir gelten als glaubwürdige Philosophen und sind weiser als alle anderen. Sollten wir also nicht tun, was wir wissen? Umso mehr sollten wir es tun! […] Was ich in mir bestimme, davon weiß ich, was für eine Tüchtigkeit und was für einen Nutzen das hat, und ich verstehe, was für ein Heil mir das bringt. […] Also, was ich sehe, was ich anfasse und was ich mit meinem Sinn verstehe, das muss ich tun.“ Die Antwort des Gehorsams: „Ich, der ich Gott gehorche, habe eine gewisse Bindung. Aber was und welche ist sie? Als Gott in seinem Wort alles erschaffen hat, indem er sprach ‚es werde‘ und es so geschah, da war ich das Auge und erwachte in Gottes Geheiß. Und so ist alles erschaffen worden. Als aber der erste Engel zu leben begann, widersetzte er sich sogleich Gott; ich aber sagte, dass seine Werke nicht leben, weil er auf eine andere Weise sein wollte. So versuchte er auch mich zu bedrängen und anzugreifen, aber er war dazu nicht imstande. Denn […] ich bin die Wurzel in allen Werken Gottes, so wie die Seele im Körper ist. Und wie der Wille im Menschen vollbringt, was er ersehnt, so bin ich der Wille in Gott, der alles vollbringt, was Gott befiehlt. […] Ich berühre nichts, ich will nichts, ich ersehne nichts, nur allein das, was in Gott ist […]. Daher bist du, du Böser, den trockenen Blättern der Bäume […] ähnlich, weil du, wie sie, abgeworfen wirst […].“ –

Quelle: Evangelizo

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