„Er, der keine Sünde begangen und in dessen Mund keine Falschheit war“ (vgl. 1 Petr 2,22), hat wahrlich ohne die geringste Schuld gelitten; und doch hat er das Leiden am Kreuz zu unserer Erlösung auf sich genommen. Er allein konnte – als Einziger auf der Welt –reine Gebete zu Gott emporsteigen lassen, denn selbst in den Qualen seines Leidens betete er für seine Verfolger und sprach: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34). Was kann man Reineres im Gebet sagen oder sich vorstellen, als jenen die Barmherzigkeit seiner Fürsprache zu gewähren, die für das Leid, das man erduldet, verantwortlich sind? […]
„O Erde, bedecke mein Blut nicht, und mein Schrei finde auf dir keine Stätte, sich zu verbergen“ (Ijob 16,19 Vulg.). […] Wie wir wissen, verbirgt diese Erde das Blut unseres Erlösers nicht, da ja jeder Sünder, der den Preis seiner Erlösung empfängt, diesen Preis bekennt, ihn besingt und sichbemüht, ihn seinem Nächsten bekannt zu machen. Und die Erde hat sein Blut nicht bedeckt, da ja die heilige Kirche das Mysterium seiner Erlösungstat bereits in allen Teilen der Welt verkündet hat. […]
Wenn wir also wollen, dass das Sakrament des Leidens unseres Herrn in uns nicht unfruchtbar bleibt, haben wir die Pflicht, nachzuahmen, was wir empfangen, und den anderen zu verkünden, was wir verehren. Sein Schrei findet nämlich dann in uns einen Ort, wo er verborgen bleibt, wenn unsere Zunge verschweigt, was unsere Seele gläubig angenommen hat. Doch damit sein Schrei nicht in uns verborgen bleibt, muss jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten den Menschen seiner Umgebung das Geheimnis seiner Erlösung bekanntmachen.
Quelle: Evangelizo