Ich bin unverschämt und tollkühn, du meine Hilfe und meine Stütze von jeher, du, der du niemals darin ermüdest! Doch es ist die Liebe zu deiner Liebe, die mich antreibt, dein Angesicht zu suchen. Du siehst mich, und ich kann dich nicht sehen, doch du hast mir die Sehnsucht nach dir ins Herz gelegt; du hast mir alles gegeben, was dir an mir gefallen kann. Und du vergibst diesem Blinden, der zu dir läuft, sofort; du reichst ihm die Hand, sobald du siehst, dass er strauchelt.
Doch siehe, tief in meiner Seele ertönt die Stimme deiner Selbstoffenbarung und antwortet auf mein Verlangen. Sie dröhnt, sie erschüttert alles, was in mir ist, und meine inneren Augen sind vom strahlenden Glanz deiner Wahrheit geblendet. Sie erinnert mich daran, dass kein Mensch dich schauen und am Leben bleiben kann (vgl. Ex 33,20). Was mich betrifft, so ist es mir, der ich im Abgrund meiner Sünde stecke, bisher noch nicht gelungen, mir selbst zu sterben, um allein für dich zu leben (vgl. 2 Kor 5,15). Doch gemäß deinem Wort und dank deiner Gnadengabe stehe ich auf dem Felsen des Glaubens an dich, des christlichen Glaubens, an dem Ort, der dir wirklich nahe ist (Ex 33,21). Gestützt auf diesen Glauben harre ich, so gut ich kann, geduldig aus und küsse deine rechte Hand, die mich umfängt und beschützt (Weis 5,16).
Manchmal, wenn ich Betrachtung halte und mich bemühe zu sehen, erkenne ich – von hinten (Ex 33,23) – den, der mich anschaut; ich erkenne die Demut des menschlichen Lebens Christi, deines Sohnes, der vorübergeht. […] Ich warte darauf, dass du eines Tages deine Hand zurückziehst, die mich bedeckt (Ex 33,22), und die Gnade schenkst, die erleuchtet, damit ich eines Tages endlich […], mir selbst gestorben und für dich lebend, ohne den Schleier über meinem Gesicht, beginne, dein unverhülltes Angesicht zu schauen.
Quelle: Evangelizo