Wie lange wollen wir es noch hinausschieben, auf Christus zu hören, der uns in sein himmlisches Reich ruft? Warum kommen wir nicht zur Einsicht? Warum rufen wir uns nicht zurück vom gewöhnlichen Leben zum Ernst des Evangeliums? […] Wir geben vor, nach dem Himmelreich zu verlangen, aber wir kümmern uns nicht um das, wodurch wir es erlangen.
Wir nehmen keinerlei Mühe für die Gebote des Herrn auf uns; ja, in unserem eitlen Sinnen glauben wir, die gleiche Ehre zu erlangen wie jene, die bis zum Tode gegen die Sünde gekämpft haben! Doch wer zur Zeit der Aussaat zu Hause gesessen und geschlafen hat, kann der zur Zeit der Ernte seine Arme mit Garben füllen? Wer könnte Trauben lesen von dem Weinberg, der von ihm weder gepflanzt noch gepflegt wurde? Die Frucht gehört denen, die die Arbeit taten. Die Ehren und Kränze erhalten diejenigen, die gekämpft haben. Wer hat jemals den bekränzt, der sich nie gegen den Widersacher gerüstet hat? Doch es genügt nicht, allein zu siegen; man muss vielmehr, nach dem Wort des Apostels Paulus, „nach den Regeln kämpfen“ (vgl. 2 Tim 2,5), das heißt, […] in der Weise, wie es uns geboten ist. […]
Gott ist gut, aber auch gerecht. […] Gott ist barmherzig, aber er ist auch der Richter. Darum heißt es ja: „Der Herr liebt die Barmherzigkeit und das Recht“ (Ps 32,5 LXX). Daher heißt es auch: „Von deiner Barmherzigkeit und deiner Gerechtigkeit, Herr, will ich singen“ (Ps 100,1 LXX). […] Siehst du, wie sorgfältig er mit der Barmherzigkeit umgeht? Gott ist nicht barmherzig ohne Urteil, noch urteilt er ohne Erbarmen. „Barmherzig ist der Herr und gerecht“ (Ps 114,5 LXX). Deshalb dürfen wir Gott nicht nur zur Hälfte kennen, noch seine Güte als Anlass zur Nachlässigkeit nehmen.
Quelle: Evangelizo