Liebster Vater in Christus, dem süßen Jesus, ich, Katharina, die Sklavin der Diener Jesu Christi, schreibe Euch in seinem kostbaren Blut, mit dem Wunsch, Euch in echter und vollkommener Nächstenliebe gegründet zu sehen. […]
Dies ist eines der besonderen Zeichen, die erkennen lassen, ob die Seele in der Nächstenliebe ist oder nicht: Sie verachtet niemanden, sondern erträgt geduldig die Fehler der anderen; sie wird nicht zornig, sondern ist voller Sanftmut; sie macht den Menschen nicht ungerecht, sondern gerecht, indem sie ihn dazu bringt, jedem das zu geben, was ihm zusteht, ob er nun einer ist, der zu gehorchen oder einer, der zu befehlen hat. Er ehrt Gott und preist seinem Namen; er hegt Hass und Abscheu gegenüber der Sünde, gegenüber dem Nächsten aber Liebe und Wohlwollen. Wenn er mächtig ist und die Aufgabe hat, Gerechtigkeit auszuüben, hört er den Großen wie den Kleinen, den Armen wie den Reichen an. Er beschmutzt sein Gewissen nicht, indem er Schmeicheleien, Drohungen, Lust oder Unlust nachgibt; vielmehr hält er die Waage im Gleichgewicht und gibt jedem, was die Gerechtigkeit verlangt. Er dient seinem Nächsten eifrig, indem er ihm die Liebe entgegenbringt, die er für Gott empfindet: Er kann zwar Gott selbst keinen Dienst erweisen, aber er bemüht sich, dem zu dienen, den Gott so sehr liebt, nämlich dem vernunftbegabten Geschöpf, das ihm als Mittelsperson gegeben ist.
Wie süß ist die Nächstenliebe, diese zärtliche Mutter! Sie ist ohne Bitterkeit, und stets erfüllt sie das Herz dessen, der sie besitzt, mit Freude.
Quelle: Evangelizo