„Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut […], und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte“ (Gen 1,31–2,2). Wir sehen, dass Gottes Werke gut sind, und wir werden seine Ruhe schauen nach unseren Werken, wenn sie gut sind. Als ein Zeichen für diese Ruhe hat er dem Volk der Hebräer die Einhaltung des Sabbats vorgeschrieben. Doch sie vollzogen ihn auf eine so wortwörtliche Weise, dass sie unseren Herrn anklagten, als sie sahen, wie er an diesem Tag unser Heil wirkte. Das brachte ihnen diese vollkommen berechtigte Antwort ein: „Mein Vater ist noch immer am Werk, und auch ich bin am Werk“ (Joh 5,17), nicht nur, insofern er mit ihm die ganze Schöpfung lenkt, sondern auch, indem er unser Heil wirkt.
Doch als die Gnade offenbart wurde, wurden die Gläubigen von der Einhaltung des Sabbats, die darin bestand, an einem Tag zu ruhen, befreit. Jetzt aber beobachtet der Christ aus Gnade einen ewigen Sabbat, wenn er alles, was er an Gutem tut, in der Hoffnung auf die zukünftige Ruhe tut und sich nicht seiner guten Werke rühmt, als seien sie sein eigenes Verdienst und nicht etwas, das er empfangen hat. Wenn er so handelt und das Sakrament der Taufe als einen Sabbat empfängt und betrachtet, das heißt als Ruhe des Herrn in seinem Grab (vgl. Röm 6,4), dann ruht er aus von seinen alten Werken, geht auf den Wegen eines neuen Lebens und erkennt, dass Gott in ihm wirkt: Gott, der zugleich in ihm wirkt – indem er seine Geschöpfe nach seiner Ordnung lenkt – und ruht, da er in sich die ewige Ruhe besitzt.
Gott wurde bei der Schöpfung nicht müde und ruhte sich auch nicht aus, als er damit aufhörte. Doch wollte er durch die Sprache der Heiligen Schrift in uns den Wunsch nach seiner Ruhe wecken. […] Er wollte diesen Tag heiligen […], als sei selbst für ihn, der bei der Arbeit nicht müde wird, die Ruhe wertvoller als das Tun. Genau das lehrt uns auch das Evangelium, wenn der Erlöser uns sagt, dass Maria, als sie sich ihm zu Füßen setzte und in Ruhe verharrte, um seinen Worten zu lauschen, den besseren Teil erwählt habe als Martha, auch wenn diese sich mit guten Werken abmühte, um zu dienen (vgl. Lk 10,39 ff.).
Quelle: Evangelizo