Tagesevangelium

Johannes Cassianus

Niemand kann Vater der Geister genannt werden als Gott allein, der sie aus Nichts macht, wie er will; die Menschen aber dürfen nur Väter unseres Leibes heißen. – So hatte denn auch der Teufel, insofern er als Geist oder guter Engel erschaffen wurde, niemanden zum Vater als Gott seinen Schöpfer. Als er nun in Hochmut aufgeblasen war und in seinem Herzen gesagt hatte: „Ich will über Wolkenhöhen emporsteigen, dem Höchsten will ich mich gleichstellen“ (Jes 14,14), da wurde er ein Lügner und bestand nicht in der Wahrheit, sondern brachte aus dem Schatz der eigenen Bosheit die Lüge hervor und wurde nicht nur lügnerisch, sondern auch der Vater der Lüge (vgl. Joh 8,44), durch die er dem Menschen die Göttlichkeit versprach und sagte: „Ihr werdet sein wie Götter (vgl. Gen 3,4).“ Er blieb nicht in der Wahrheit, sondern wurde ein Menschenmörder von Anfang an (vgl. Joh 8,44), da er einmal den Adam in das Geschick der Sterblichkeit verflocht, dann den Abel mit seinen Verführungen durch Bruderhand tötete. […]

Wir wollen also den Herrn bitten, dass in uns sowohl seine Furcht als auch die Liebe, die keinen Fall kennt, unerschütterlich dauern, damit sie uns weise machen unter den Menschen und unverletzt bewahren vor den Pfeilen des Teufels. Unter solchem Schutz ist es unmöglich, dass einer den Fesseln des Todes verfalle. Zwischen den Vollkommenen und Unvollkommenen gibt es aber diesen Unterschied, dass in jenen die festgewurzelte, sozusagen reifere und beharrlichere Liebe sie kräftiger schützt und leichter in der Heiligkeit ausdauern lässt: in diesen aber ist sie schwächer, leichter erkaltend, und lässt also schneller und öfter eine Verstrickung in den Fesseln der Sünde zu.

Quelle: Evangelizo

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