Tagesevangelium

Hl. Augustinus

Niemand ist ohne Liebe. Doch muss man sich fragen, was man liebt. Wir sollen also nicht auf Liebe verzichten, sondern [bewusst] entscheiden, was wir lieben. Doch was sollen wir wählen, wenn wir nicht zuerst selbst erwählt wurden, da wir ja nur lieben können, wenn wir zuerst geliebt wurden? Hört den Apostel Johannes: „Wir lieben“, sagt er, „weil er uns zuerst geliebt hat“ (vgl. 1 Joh 4,10). Frage dich, wie es dem Menschen möglich ist, Gott zu lieben, und du wirst nichts anderes herausfinden, als dass Gott ihn zuerst geliebt hat. Der, den wir lieben, hat sich selbst hingegeben, er hat uns sich selbst gegeben und hat uns damit die Quelle der Liebe gegeben. Der heilige Paulus sagt uns ganz klar, was uns Gott gegeben hat, damit wir lieben; hört: „Die Liebe Gottes“, sagt er, „ist ausgegossen in unsere Herzen“. Durch wen? Durch uns etwa? Nein. Durch wen dann? „Durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Röm 5,5). Da wir also diese Gewissheit haben, lasst uns Gott durch Gott lieben.

Hören wir nun diesen noch deutlicheren Ausspruch von Johannes: „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ (1 Joh 4,16). Es genügt nicht zu sagen: „Die Liebe kommt von Gott“. Wer aber würde es wagen, das soeben Gesagte – nämlich: „Gott ist Liebe“ – zu behaupten? Derjenige, der das gesagt hat, wusste, was er in sich trug. Du siehst Gott nicht. Liebe, und du hast ihn in dir. Gott schenkt sich uns. Er ruft uns zu: „Liebt mich, und ihr werdet mich in euch haben, denn ihr könntet mich nicht lieben, wenn ihr mich nicht in euch hättet.“

Quelle: Evangelizo

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