Tagesevangelium

Hl. Gregor von Nyssa

„Der Duft deiner Kleider ist wie der Duft von Weihrauch“ (vgl. Hld 4,11 LXX). Die tiefe Bedeutung dieser Worte lehrt die Menschen, auf welches Ziel das Tugendleben ausgerichtet ist. Denn das Ziel des tugendhaften Lebens ist die Gottähnlichkeit. Und deshalb bemühen sich tugendhafte Seelen darum, die Reinheit der Seele und die Loslösung von jeglicher sinnlichen Anhänglichkeit zu erlangen, um durch die Vorbildlichkeit ihres Lebens den Abdruck der göttlichen Natur in sich zu offenbaren.

Doch das tugendhafte Leben weist nicht nur einen einzigen Aspekt oder eine einzige Form auf. So wie bei der Herstellung von Stoffen durch zahlreiche Fäden – die einen vertikal gespannt, die anderen horizontal angeordnet – das Gewebe ein Kleidungsstück bildet, so entsteht auch das tugendhafte Leben notwendigerweise durch das Zusammenspiel vieler Elemente. Solche Fäden zählt der Apostel auf, wenn er beschreibt, was zum Gewebe der reinen Werke gehört: Er spricht von „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Güte“ (Gal 5,22) und anderen Tugenden, die den Schmuck eines Menschen bilden, der das vergängliche und irdische Leben abgelegt hat, um die himmlische Unvergänglichkeit anzulegen (vgl. 1 Kor 15,53). […]

Das ist also die Bedeutung jener Worte aus dem Hohenlied. Es ist, als würde er sagen: In dir, meine Braut, ist das Gewand der Tugenden eine Nachahmung der göttlichen Glückseligkeit, die dich durch Reinheit und Befreiung von Leidenschaften dem Unerreichbaren angleicht.

Quelle: Evangelizo

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