„Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids!“ Das ist ein Bittruf von gewaltiger Kraft. […] Es ist ein Seufzen aus bodenloser Tiefe. Es übersteigt bei weitem alles Natürliche, und nur der Heilige Geist selbst kann ein solches Seufzen in uns hervorbringen (vgl. Röm 8,26). Jesus aber sprach zu der Frau: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ […] Wie reagierte nun die so abgewiesene Frau? […] Sie drang noch tiefer in den Abgrund. Sie erniedrigte und demütigte sich, bewahrte aber dabei ihr Vertrauen und sagte: „Ja, du hast recht, Herr. Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“
Ach, wenn doch auch ihr wirklich bis zum Grund der Wahrheit vordringen könntet: nicht durch gelehrte Kommentare, nicht durch große Worte oder gar mit Hilfe eurer Sinne, sondern tief hinab in den wahren Grund eures Wesens! Weder Gott noch irgendein Geschöpf könnte euch etwas anhaben oder vernichten, wenn ihr in der Wahrheit und in vertrauensvoller Demut verharrtet. Man könnte euch beschimpfen, verachten und zurückweisen – doch ihr würdet unerschütterlich feststehen und, beseelt von ungeschmälertem Vertrauen, würdet ihr noch tiefer vordringen und immer mehr zunehmen an Eifer. Darauf kommt es an, und wer diesen Zustand erreicht, der hat gewonnen! Diese Wege und nur sie allein führen in Wahrheit ohne Hindernis zu Gott. Aber in dieser tiefen Demut zu verharren, mit Ausdauer und mit totaler, echter Zuversicht – so wie es diese arme Frau getan hat –, das gelingt nur wenigen.
Quelle: Evangelizo