Tagesevangelium

Hl. Augustinus

Jeder Mensch ist ein Schuldner Gottes, und jeder Mensch hat seinen Bruder als Schuldner. Denn wer hätte keine Schuld vor Gott, außer einem, der ohne Sünde wäre? Und wer hätte nicht seinen Bruder als Schuldner, außer einem, der noch nie jemand gekränkt hätte? Jeder Mensch ist also Schuldner und Gläubiger zugleich. […] Ein Bettler bittet dich um Almosen, und du bist ein Bettler vor Gott, denn wir alle sind Bettler Gottes, wenn wir zu ihm beten. Wir stehen oder vielmehr: Wir werfen uns vor der Tür unseres Hausvaters nieder (vgl. Lk 11,5 f.); wir flehen ihn unter Tränen an, in der Hoffnung, von ihm eine Gnade zu erhalten – und diese Gnade ist Gott selbst. Um was bittet dich der Bettler? Um Brot. Und du, was erbittest du von Gott, wenn nicht Christus, der da sprach: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“ (Joh 6,51). Ihr wollt, dass euch vergeben wird? Dann vergebt. „Vergebt, dann wird auch euch vergeben.“ Ihr wollt empfangen? „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden“ (vgl. Lk 6,37). […]

Wir sollen also bereit sein, alle Verfehlungen zu vergeben, die uns gegenüber begangen werden, wenn wir wollen, dass Gott auch uns vergibt. Und wirklich: Wenn wir unsere Sünden betrachten und uns unsere begangenen Fehler vergegenwärtigen, so weiß ich nicht, ob wir einschlafen könnten, ohne die schwere Last unserer Schuld zu spüren. Deshalb tragen wir täglich unsere Bitten vor Gott, täglich dringen unsere Gebete an seine Ohren, täglich werfen wir uns nieder und sagen: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“. Welche Schulden willst du dir vergeben lassen? Alle, oder nur einen Teil? Du wirst antworten: Alle. Dann handle genauso an deinem Schuldner.

Quelle: Evangelizo

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