„Wenn jemand mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst.“ Hart und schwer erscheint, was der Herr geboten hat. Und doch ist es weder hart noch schwer, weil derjenige, der es gebietet, auch derjenige ist, der dabei hilft, in die Tat umzusetzen, was er gebietet. Denn wenn das Wort des Psalms: „Wegen der Worte deiner Lippen bin ich auf harten Wegen gewandelt“ (Ps 16,4 LXX), wahr ist, dann ist auch das Wort wahr, das Jesus gesprochen hat: „Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“ (Mt 11,30). Denn alles, was hart ist am Gebot, das macht die Liebe sanft. Wir wissen, zu welchen Wundern die Liebe fähig ist. Manchmal ist die Liebe von schlechter Art und zügellos; doch welche Schwierigkeiten nehmen die Menschen auf sich, welch unwürdige und unerträgliche Behandlungen erdulden sie, um zu erlangen, was sie lieben! […] Wenn nun die große Lebensaufgabe darin besteht, richtig zu wählen, was man lieben soll, kann es dann verwundern, dass derjenige, der Jesus Christus liebt und ihm nachfolgen will, sich selbst verleugnet, um ihn zu lieben? […]
Was bedeutet der folgende Satz: „Der nehme sein Kreuz auf sich“? Dass er ertragen soll, was hart ist, und dass er mir so nachfolgen soll. Denn wenn ein Mensch beginnt, mir zu folgen, indem er meine Gebote hält, dann wird es viele Leute geben, die ihm widersprechen, viele werden sich gegen ihn stellen und versuchen, ihn zu entmutigen – und das von seiten derer, die behaupten, Gefährten Christi zu sein. Die den Blinden am Schreien hinderten, waren Weggefährten Christi (vgl. Mt 20,31). Seien es Drohungen, Schmeicheleien oder Verbote: Wenn du Christus nachfolgen willst, so nimm das alles als Kreuz an; ertrage es, halte durch, unterliege nicht! […]
Ihr liebt die Welt; doch ihr habt der Welt denjenigen vorzuziehen, der die Welt erschaffen hat. […] Wir leben in einer Welt, die heilig, gut, versöhnt und gerettet ist, oder vielmehr: die gerettet werden soll, doch schon jetzt in der Hoffnung gerettet ist. „Denn auf Hoffnung hin sind wir gerettet“ (Röm 8,24). In dieser Welt also, das heißt in der Kirche, die in ihrer Gesamtheit Christus nachfolgt, spricht dieser zu allen: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst“.
Quelle: Evangelizo