Tagesevangelium

Origenes

„Jesus drängte die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken.“ Die Menschenmenge war nicht in der Lage, auf die andere Seite zu gelangen, da sie im mystischen Sinn keine Hebräer waren, was wörtlich übersetzt „auf der anderen Seite wohnend“ bedeutet. Doch genau darin bestand die Aufgabe der Jünger Jesu – nämlich auf die andere Seite zu gehen und über das Sichtbare und Materielle, also über das Zeitliche hinauszugehen, um als Erste zum Unsichtbaren und Ewigen vorzudringen. […] Nur konnten die Jünger nicht vor Jesus auf die andere Seite gelangen […]. Vielleicht wollte er sie durch diese Erfahrung lehren, dass es ohne ihn nicht möglich ist, auf die andere Seite zu gelangen […]. Doch was ist das für ein Boot, in das Jesus die Jünger einzusteigen drängte? Ist es nicht der Kampf gegen Versuchungen und Schwierigkeiten? […]

Dann stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten. Für wen betet er? Wahrscheinlich für die Menschenmenge, damit sie, nachdem sie das gesegnete Brot gegessen hatte und weggeschickt worden war, nichts tut, was im Widerspruch zu ihrer Entlassung durch Jesus stand. Auch für die Jünger […], damit sie auf dem See – bedrängt von den Wellen und vom Gegenwind – keinen Schaden erlitten. Ich möchte fast sagen, dass es dem Gebet Jesu zu seinem Vater zu verdanken ist, dass die Jünger keinen Schiffbruch auf dem Meer erlitten, als Wellen und Gegenwind gegen sie wüteten. […] Und wir, wenn wir eines Tages mit unvermeidlichen Versuchungen zu kämpfen haben, sollten wir uns daran erinner, dass Jesus uns dazu gedrängt hat, in sein Boot zu steigen; es ist nicht möglich, ans andere Ufer zu kommen, ohne die Anfechtungen der Wellen und des Gegenwindes zu ertragen. Wenn wir uns also umgeben sehen von zahlreichen und anstrengenden Schwierigkeiten, schon ein bisschen ermüdet durch eine sich hinziehende Überfahrt, dann wollen wir bedenken, dass unser Schiff sich gerade mitten auf dem See befindet und dass die Wellen versuchen, „uns im Glauben Schiffbruch erleiden zu lassen“ (vgl. 1 Tim 1,19) […]. Seien wir dann gewiss, dass gegen Ende der Nacht, wenn „die Nacht vorgerückt und der Tag nahe ist“ (vgl. Röm 13,12), der Sohn Gottes zu uns kommen wird, um den See für uns zu beruhigen, indem er darauf wandelt.

Quelle: Evangelizo

zurück