Der Sabbat ist als ein heiliger Tag eingesetzt worden. Alle Heiligen und Gerechten sollen den Sabbat feiern. […] Schauen wir also, worin für den Christen das Einhalten des Sabbat besteht: Man soll keine weltliche Arbeit verrichten; man soll sich aller irdischen Werke enthalten und nichts tun, was mit der Welt in Zusammenhang steht; man soll sich geistlichen Verrichtungen widmen, zur Kirche gehen, der Schriftlesung und deren Erläuterungen Aufmerksamkeit schenken, an Himmlisches denken, sich mit der Hoffnung auf das künftige Leben befassen, sich das kommende Gericht vor Augen halten und nicht über die sichtbaren und gegenwärtigen Wirklichkeiten nachsinnen, sondern die zukünftigen und unsichtbaren betrachten.
Das alles müssen auch die Juden einhalten, und bei ihnen verrichten Schmiede, Maurer und andere Handwerker am Sabbat keinerlei Arbeit. Die Schriftgelehrten freilich und die Gesetzesausleger unterbrechen an diesem Tag ihre Aufgaben keineswegs und entweihen dadurch den Sabbat nicht. Mein Herr selbst hat daran erinnert: „Habt ihr nicht gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel gegen die Sabbatruhe verstoßen, ohne sich schuldig zu machen?“ Wer sich also der Werke dieser Welt enthält und sich frei macht für geistliche Betätigung, der bringt das Sabbatopfer dar und heiligt den Sabbat als einen Festtag. […]
Am Sabbat bleibt ein jeder daheim und verlässt seine Wohnung nicht. Doch was ist die Wohnung einer geistgeführten Seele? Es ist die Gerechtigkeit, die Wahrheit, die Weisheit, die Heiligkeit: All das ist Christus, er selbst ist die Wohnung unserer Seele. Diese Wohnung sollten wir nicht verlassen, wenn wir den wahren Sabbat halten und diesen Festtag durch Opfer feiern wollen, gemäß dem Wort des Herrn: „Wer in mir bleibt, in dem bleibe auch ich“ (vgl. Joh 15,5).
Quelle: Evangelizo