Tagesevangelium

Hl. Gregor der Große

Stimmen wir ein in den Ruf Davids! Hören wir doch, wie er weint und vergießen wir mit ihm Tränen! Lasst uns auch sehen, wie er sich wieder aufrichtet, und freuen wir uns mit ihm: „Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit“ (Ps 50,3 Vulg.). Stellen wir uns einen Schwerverletzten vor, der nackt im Staub liegt und nahe daran ist, den letzten Atemzug zu tun. Er verlangt nach einem Arzt, er stöhnt und bittet einen, der seinen Zustand erkennt, um Erbarmen. Die Sünde ist nämlich eine Wunde der Seele. Du selbst bist der Verletzte: Erkenne also, dass dein Arzt in deinem Innern ist, und zeige ihm die Wunden, die deine Sünden dir geschlagen haben! Er soll das Stöhnen deines Herzens vernehmen; er, der jeden geheimen Gedanken kennt. Mögen deine Tränen ihn rühren; und wenn du ihn auch beharrlich suchen musst, so lass dein Seufzen aus der Tiefe deines Herzens zu ihm aufsteigen. Dein Schmerz soll zu ihm dringen, und, wie zu David, so soll auch dir gesagt werden: „Der Herr hat dir deine Sünde vergeben“ (2 Sam 12,13). […] „Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit.“ Wer seine Schuld herunterspielt, weil er diese große Barmherzigkeit nicht kennt, der zieht auch nur wenig Barmherzigkeit auf sich. Was mich betrifft, so bin ich tief gefallen, ich habe mit vollem Wissen gesündigt. Du aber, allmächtiger Arzt, du weist jene zurecht, die dich verachten; du belehrst jene, die ihre Schuld nicht erkennen, und du vergibst denen, die sie dir bekennen.

Quelle: Evangelizo

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