Tagesevangelium

Ludwig-Maria Grignion de Montfort

„O Tiefe und Unermesslichkeit der Weisheit Gottes!“, ruft der heilige Paulus aus (vgl. Röm 11,33). Welcher Engel wäre so erleuchtet, welcher Mensch so kühn, dass er uns den Ursprung der Weisheit angemessen erklären könnte? […] Es ist die wesentliche und ewige Idee der göttlichen Schönheit, die dem Evangelist Johannes in der wunderbaren Verzückung auf der Insel Patmos offenbart wurde, so dass er verkündete: „Im Anfang war das Wort“ – der Sohn Gottes, die ewige Weisheit –, „und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ (Joh 1,1). […]

Diese ewige und überaus liebenswerte Schönheit hat ein so großes Verlangen danach, die Freundschaft des Menschen zu gewinnen, dass sie eigens ein Buch verfasst hat, in dem sie ihre Vorzüge und ihre Sehnsucht nach dem Menschen offenbart. Dieses Buch gleicht einem Liebesbrief, mit dem eine Liebende die Zuneigung ihres Geliebten gewinnen möchte. Sie bringt darin eine so glühende Sehnsucht nach dem Menschenherzen zum Ausdruck, ein so zärtliches Werben um seine Freundschaft, so liebevolle Einladungen und Wünsche, dass jemand, der dies hört, meinen könnte, sie sei nicht die Herrscherin über Himmel und der Erde, sondern sie bedürfe des Menschen, um glücklich zu sein. […]

Wie oft rief sie während ihres Erdenlebens aus: Kommt zu mir, kommt alle zu mir! Ich bin es, fürchtet euch nicht! Warum habt ihr solche Angst? Weil Ihr Sünder seid? Ach, gerade sie suche ich! Ich bin die Freundin der Sünder. Oder habt ihr Angst, weil ihr euch von der Herde entfernt habt? Seht, ich bin der gute Hirte. Weil ihr mit Sünden beladen, voller Schmutz und von Traurigkeit niedergedrückt seid? Gerade deshalb müsst ihr zu mir kommen! Ich werde euch davon befreien, ich werde euch trösten.

Quelle: Evangelizo

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