Tagesevangelium

Hl. Petrus Chrysologus

„Warum fasten wir und die Pharisäer so häufig, während deine Jünger nicht fasten?“ (vgl. Mt 9,14). […] Warum? Weil das Fasten für euch eine Frage des Gesetzes ist und keine freiwillige Gabe. Fasten um des Fastens willen hat keinerlei Wert; was zählt, ist die Motivation des Fastenden. Was für einen Gewinn glaubt ihr denn zu erlangen, wenn ihr unter Druck und Zwang fastet? Das Fasten gleicht einem wunderbaren Pflug, um den Acker der Heiligkeit zu bearbeiten: Es wendet die Herzen um, entwurzelt das Böse, entfernt die Sünde, vertreibt die Laster und sät Nächstenliebe aus; es fördert die Fruchtbarkeit und bereitet die Ernte der Unschuld vor. Die Jünger Christi aber stehen mitten im erntereifen Acker der Heiligkeit; sie sammeln die Garben der Tugend ein und genießen das Brot der neuen Ernte. Daher können sie unmöglich nach veralteter Art fasten. […] „Warum fasten deine Jünger nicht?“ Darauf antwortet der Herr ihnen: „Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ […] Wer heiratet, lässt das Fasten und die Enthaltsamkeit beiseite; er gibt sich ganz der Freude hin, nimmt an Festmählern teil; er zeigt sich in allem freundlich, liebenswürdig und fröhlich; er tut alles, was die Liebe zu seiner Braut ihm eingibt. Christus feierte damals seine Hochzeit mit der Kirche. Deshalb nahm er freimütig an Festmählern teil und verweigerte sich niemandem, der ihn einlud. Voller Wohlwollen und Güte zeigte er sich: menschlich, zugänglich und liebenswürdig. Denn er wollte den Menschen mit Gott vereinen und seine Gefährten zu Mitgliedern der himmlischen Familie machen.

Quelle: Evangelizo

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