Maria, meine Mutter, heute ist sowohl einer deiner Festtage als auch ein Festtag Jesu. Wie die Reinigung, die vor allem die Darstellung Jesu ist, so ist auch die Heimsuchung eines deiner lieblichen Feste, aber mehr noch das Fest unseres Herrn, denn er ist es ja, der in dir und durch dich handelt. Die Heimsuchung ist die „Liebe Christi, die uns drängt“ (vgl. 2 Kor 5,14); Jesus ist es, der – nachdem er gerade erst in dir angekommen ist – danach dürstet, auch andere heilig und glücklich zu machen. Durch die Verkündigung hat er sich dir offenbart und geschenkt und dich auf wunderbare Weise geheiligt. Das genügt ihm aber nicht: In seiner Liebe zu den Menschen will er sich sogleich durch dich auch anderen offenbaren und an andere verschenken; er will andere heiligen, und so lässt er sich von dir zu Johannes dem Täufer tragen. […]
Was die heilige Jungfrau dann bei der Heimsuchung tut, ist nicht ein Besuch bei ihrer Cousine, um sich gegenseitig zu trösten und zu erbauen, indem sie einander die Wunder, die Gott an ihnen getan hat, erzählen; noch weniger dient der Besuch der tätigen Nächstenliebe, um ihrer Cousine während der letzten Monate ihrer Schwangerschaft und bei ihrer Niederkunft zu helfen. Er ist viel mehr als das: Sie geht, um den heiligen Johannes zu heiligen, um ihm die frohe Botschaft zu bringen […], nicht durch ihre Worte, sondern indem sie Jesus schweigend zu ihm bringt. […]
Das ist es, was die Ordensmänner und -frauen, die sich der Kontemplation widmen, in den Missionsländern tun. […] O meine Mutter, hilf uns, unserer Sendung treu zu sein, unserer so schönen Sendung, ihn in Treue mitten unter diese armen Seelen zu bringen, die „im Schatten des Todes“ (Lk 1,79) versinken: den göttlichen Jesus.
Quelle: Evangelizo