„Deshalb lasst uns, solange wir Zeit haben, allen Menschen Gutes tun, besonders aber den Glaubensgenossen!“ (Gal 6,10). Die Gegenwart, die Zeit, in der unser Leben abläuft, ist die Zeit der Aussaat. In diesem Leben können wir säen, was wir säen wollen. Wenn unsere Lebenszeit abgelaufen ist, ist die Zeit zu handeln vorbei. Deshalb sagt der Retter: „Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann“ (Joh 9,4).
Ob wir krank sind oder ob es uns gut geht, ob wir demütig oder mächtig, arm oder reich, hungrig oder satt sind, lasst uns alles mit Geduld und Gleichmut tun, im Namen des Herrn; dann vollzieht sich in uns das, wovon die Schrift spricht: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht“ (Röm 8,28). Zorn, Leidenschaft, erlittene und Rache fordernde Kränkung: wenn ich mich da beherrsche, wenn ich für Gott Stillschweigen bewahre, wenn ich bei jedem schmerzenden Stich und bedrückt vom eigenen Versagen an Gott denke, der mir vom Himmel her zusieht – dann wird das alles für mich zur Gelegenheit des Triumphes.
Lasst uns nicht, wenn wir Gaben verteilen, sagen: der hier ist ein Freund, den dort kenne ich nicht; dieser erhält zurecht was, mit dem anderen will ich nichts zu tun haben. Lasst es uns unserem Vater gleichtun, der „seine Sonne aufgehen [lässt] über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“ (Mt 5,45). Die Quelle seiner Güte ist jedem zugänglich. Sklaven und Freie, Plebejer und Könige, Reiche und Arme, sie alle trinken aus dieser Quelle. Das Licht im Haus leuchtet allen ohne Unterschied.
Der heilige Evangelist Johannes hat am Ende seines Lebens, als er seine Gedanken nicht mehr weiterführen konnte, nur noch das eine Wort gesagt: „Meine Kinder, liebt einander!“ (vgl. Joh 13,34). Zuletzt sagten seine Jünger zu ihm: „Meister, warum sagst du uns das ständig?“ Johannes antwortete mit diesem Satz, der ihm würdig war: „Weil es das Gebot des Herrn ist; dass wir es nur erfüllen, und das ist genug.“
Quelle: Evangelizo