Tagesevangelium

Hl. Columban

Mose schrieb im Gesetz: „Gott schuf den Menschen als sein Abbild, ihm ähnlich“ (vgl. Gen 1,26). Ich bitte euch, bedenkt die große Bedeutung diese Wortes. Gott, der Allmächtige, der Unsichtbare, der Unbegreifliche, der Unermessliche adelte den Menschen, als er ihn aus Lehm formte, mit dem Abbild seiner eigenen Größe. Was haben Mensch und Gott, Lehm und Geist gemeinsam? Denn „Gott ist Geist“ (Joh 4,24). Es ist also ein großes Zeichen der Wertschätzung für den Menschen, dass Gott ihn mit dem Abbild seiner Ewigkeit und der Ähnlichkeit mit seinem eigenen Leben geehrt hat. Die Größe des Menschen besteht in seiner Gottähnlichkeit – sofern er sich diese bewahrt […].

Solange die Seele von den in ihr angelegten Kräften guten Gebrauch macht, wird sie Gott ähnlich. Gott hat uns gelehrt, dass wir ihm alle Tugenden, die er bei unserer Erschaffung in uns hineingelegt hat, zurückgeben müssen. Als erstes verlangt er von uns, dass wir Gott mit ganzem Herzen lieben (vgl. Dt 6,5; Mt 22,37), „weil er uns zuerst geliebt hat“ (1 Joh 4,19), von Anbeginn, noch bevor wir überhaupt ins Leben traten. Gott lieben bedeutet also, sein Bild in uns zu erneuern. Derjenige aber liebt Gott, der seine Gebote hält. […]

Unsere Sache ist es also, unserem Gott und Vater das unversehrte Bild seiner Heiligkeit widerzuspiegeln, denn er ist heilig und hat gesagt: „Seid heilig, weil ich heilig bin“ (Lev 11,44); und zwar widerzuspiegeln mit Liebe, denn er ist Liebe, wie Johannes gesagt hat: „Gott ist Liebe“ (1 Joh 4,8); widerzuspiegeln mit Zärtlichkeit und in Wahrheit, weil Gott gut und wahrhaftig ist. Lasst uns nicht Maler eines fremden Bildes sein. […] Und damit wir nicht das Bild des Stolzes in uns entstehen lassen, wollen wir doch Christus in uns sein Bild malen lassen.

Quelle: Evangelizo

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