Tagesevangelium

Hl. Hieronymus

„Jesus ging in den Tempel und begann, die Händler und Käufer aus dem Tempel hinauszutreiben (Mk 11,15).“ Manche Leute sind über die Auferweckung des Lazarus erstaunt (vgl. Joh 11,44); sie sind außer sich darüber, dass der Sohn einer Witwe zu neuem Leben erwachte (vgl. Lk 7,15); andere wieder werden von anderen Wundern in Staunen versetzt. Ohne Zweifel erregt die Auferweckung eines Toten Erstaunen. Noch mehr aber beeindruckt mich das, was jetzt geschieht. Diesen Mann hier, Sohn eines Zimmermanns, arm, ohne Behausung, ohne Ort, wo er sich ausruhen könnte (vgl. Lk 9, 58), diesen Mann ohne Armee, der weder ein Anführer noch ein Richter war, – wer hat ihn ermächtigt, […] so viele Menschen zu verjagen, wo er doch auf sich allein gestellt war? Niemand protestierte, niemand wagte sich zu widersetzen; denn niemand hatte den Mut, sich dem Sohn entgegenzustellen, der für die dem Vater zugefügte Beleidigung Wiedergutmachung leistete. […]

„Er trieb die Händler und Käufer aus dem Tempel hinaus“. Wenn das bei den Juden möglich war, ist es dann erst recht nicht bei uns möglich? Wenn derlei dort unter der Herrschaft des Gesetzes geschieht, ist es dann erst nicht recht unter der Herrschaft des Evangeliums möglich? […] Christus, ein armer Mann, vertreibt die Händler und Käufer, die reich sind. Derjenige, der verkauft, wird ebenso hinausgeworfen wie der, der kauft. Keiner soll sagen können: „Ich gebe alles her, was ich besitze; ich überbringe den Priestern Opfergaben, wie Gott es angeordnet hat“. Bei Matthäus lesen wir an einer Stelle: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). Die Gnade Gottes verkauft sich nicht, sie verschenkt sich.

Quelle: Evangelizo

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