Tagesevangelium

Hl. John Henry Newman

      Wir werden nicht nur einmal, sondern viele Male gerufen: Unser ganzes Leben lang ruft uns Christus. Durch die Taufe hat er uns zuerst gerufen, aber auch später. Ob wir auf seine Stimme hören oder nicht –, in seiner Barmherzigkeit ruft er uns immer wieder. Wenn wir unser Taufversprechen brechen, ruft er uns zur Umkehr. Wenn wir uns Mühe geben, unserer Berufung gerecht zu werden, ruft er uns immer weiter voran, von Gnade zu Gnade, von Heiligkeit zu Heiligkeit, solange uns dazu das Leben gewährt wird.

Abraham wurde berufen, sein Haus und sein Land zu verlassen (Gen 12,1); Petrus seine Netze (Mt 4,18), Matthäus seine Arbeit (Mt 9,9), Elischa seinen Bauernhof (1 Kön 19,19), Natanaël seinen Rückzugsort (Joh 1,47). Unaufhörlich werden wir alle gerufen, von einer Sache zur nächsten, immer weiter und weiter, ohne einen Ort der Ruhe, sondern immer weiter aufwärts, unserer ewigen Ruhe entgegen. Und dem einen inneren Ruf gehorchend, sind wir schon wieder bereit, auf den nächsten zu hören.

Christus ruft uns unaufhörlich, um uns unaufhörlich gerechter zu machen. Unaufhörlich und immer mehr will er uns heiligen und verherrlichen. Wir sollten das erkennen, aber nur langsam werden wir uns dieser großen Wahrheit bewusst, dass Christus gewissermaßen mit uns unterwegs ist und uns mit seiner Hand, seinen Augen, seiner Stimme Zeichen gibt, ihm zu folgen. Wir begreifen nicht, dass sein Ruf etwas ist, das in diesem Augenblick stattfindet. Wir meinen, das sei zur Zeit der Apostel geschehen, glauben aber nicht, dass der Ruf an uns ergeht und erwarten ihn auch gar nicht für uns selbst.

Quelle: Evangelizo

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