Erinnerst du dich an diese schöne Stelle, wo Jesus zu seinem Vater sagt, dieser habe ihm „Macht über alle Menschen gegeben, damit er ihnen das ewige Leben schenkt“ (vgl. Joh 17,2)?
Das ist es, was er in dir tun will: Jeden Augenblick will er, dass du aus dir heraustrittst, dass du alle Sorgen hinter dir lässt, um dich in jene Einsamkeit zurückzuziehen, die er sich im Innersten deines Herzens erwählt hat. Er, er ist immer da, auch wenn du ihn nicht spürst; er wartet auf dich und möchte mit dir „einen wunderbaren Tauschhandel“ abschließen, wie wir es in der schönen Liturgie singen, eine Vertrautheit zwischen Bräutigam und Braut. Deine Schwächen, deine Fehler, alles, was dich stört – davon will er dich durch diesen ständigen Kontakt befreien. Hat er nicht gesagt: „Ich bin nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten“ (vgl. Joh 12,47)? Nichts darf dich daran hindern, zu ihm zu gehen. Achte nicht zu sehr darauf, ob du begeistert oder entmutigt bist; es ist das Gesetz des Exils, so von einem Zustand in den anderen überzugehen. Glaube dann, dass er sich niemals verändert, dass er sich in seiner Güte immer über dich beugt, um dich mit sich zu nehmen und dich in sich zu festigen. Wenn dich trotz allem Leere und Traurigkeit niederdrücken, vereine diese Agonie mit der des Meisters im Garten am Ölberg, als er zum Vater sprach: „Wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen“ (vgl. Mt 26,39 //).
Es mag dir vielleicht schwer erscheinen, dich selbst zu vergessen. Mach dir darüber keine Sorgen; wenn du wüsstest, wie einfach es ist… Ich werde dir mein „Geheimnis“ verraten: Denk an diesen Gott, der in dir wohnt, dessen Tempel du bist; das sagt der heilige Paulus, und wir können ihm glauben. Nach und nach gewöhnt sich die Seele daran, in Gottes sanfter Gegenwart zu leben, sie begreift, dass sie in sich einen kleinen Himmel birgt, den sich der Gott der Liebe zur Wohnung bestimmt hat. Dann atmet sie wie in einer göttlichen Atmosphäre; ich würde sogar sagen, dass nur noch ihr Körper auf der Erde ist, ihre Seele aber jenseits der Wolken und Schleier in dem wohnt, der unveränderlich ist. Sag dir nicht, dass das nichts für dich ist, dass du zu armselig bist, denn im Gegenteil ist das ein Grund mehr, um zum Retter zu gehen. Wir werden nicht gereinigt, indem wir auf diese Armseligkeit starren, sondern indem wir auf den schauen, der ganz Reinheit und Heiligkeit ist.
Quelle: Evangelizo