Tagesevangelium

Hl. Aelred von Rievaulx

Unter den menschlichen Werten gibt es nichts Heiligeres, das man sich wünschen, nichts Nützlicheres, das man erstreben könnte, nichts, das schwerer zu finden wäre, nichts Lieblicheres, das man erleben, nichts Fruchtbareres, das man besitzen könnte, als die Freundschaft. Sie trägt ihre Früchte sowohl im gegenwärtigen Leben – also im Leben von heute – als auch im zukünftigen; ihre Süße verfeinert alle Tugenden; ihre Kraft besiegt die Laster; sie mildert das Unglück und zügelt uns im Glück. […] Welche Freude, welche Geborgenheit, welches Glück liegt darin, jemanden zu haben, mit dem man angstfrei sprechen kann – so wie mit sich selbst; dem du ohne Furcht bekennst, was du gefehlt hast, ohne Erröten dein Innerstes offenlegst, wenn du meinst, dass dir Fortschritte gelungen sind; dem du alle Herzensgeheimnisse anvertraust und alle Pläne sorglos aufdecken kannst! […] Es gibt kein kraftvolleres, wirksameres und hevorragenderes Heilmittel für unsere Wunden, bei all dem, was uns hier auf Erden zustößt, als jemanden zu haben, der einerseits bei all unseren Enttäuschungen mit uns mitfühlt und andererseits herbeigeeilt kommt, um uns zu unseren Erfolgen zu beglückwünschen. Zwei Freunde, wie der Apostel sagt (vgl. Gal 6,2), stützen sich gegenseitig, tragen miteinander ihre Lasten – oder besser noch: Jeder empfindet seine eigene Last leichter als die seines Freundes. […] Die Freundschaft kommt der Vollkommenheit nahe, die in der Liebe und der Erkenntnis Gottes besteht: Ein Mensch wird, sobald er der Freund eines anderen Menschen geworden ist, zum Freund Gottes, gemäß dem Wort des Erlösers im Evangelium: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde“ (vgl. Joh 15,15). Quelle: Evangelizo

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