In der Versuchung soll der Mensch, der aufrichtigen Herzens nur Gott will und begehrt, zu ihm seine Zuflucht nehmen und geduldig warten, bis wieder Ruhe eingekehrt ist […]. Wer weiß denn, wo und wie es Gott gefallen wird, wieder zu ihm zu kommen und ihn mit seinen Gaben zu erfüllen? Also bleibe du geduldig unter dem Schutz des göttlichen Willens; das ist hundertmal besser, als sich in glanzvoller Tugendhaftigkeit großartig zu fühlen [...]. Denn Gottes Gaben sind nicht Gott selbst, und Lust soll man nur in Gott haben und nicht an seinen Gaben. Unsere Natur aber ist so gierig, so selbstbezogen, dass sie sich überall einschleicht und sich aneignet, was ihr nicht gehört; so verdirbt sie die Gaben Gottes, beschmutzt sie und hindert Gott an seinem edlen Werk […].
Versenke du dich in Christus, in seine Armut und Keuschheit, in seinen Gehorsam, seine Liebe und in all seine Tugenden. In Ihm werden dem Menschen die Gaben des Heiligen Geistes verliehen: Glaube, Hoffnung und Liebe, Wahrheit, innere Freude und innerer Friede im Heiligen Geist. In Ihm finden sich auch Gelassenheit und sanftmütige Geduld, so dass man alle Dinge von Gott mit Gleichmut anzunehmen vermag.
Alles, was Gott zulässt und beschließt, Glück und Unglück, Freude und Schmerz, müssen zum Heil und Wohl des Menschen dienen (vgl. Röm 8,28). Auch die kleinste Sache, die dem Menschen widerfährt, ist von Ewigkeit her von Gott vorhergesehen, sie existierte bereits in ihm, und sie ereignet sich nach seinem Willen und nicht anders. Lasst uns also in allem den Frieden bewahren. Diesen Frieden in allen Dingen lernt man nur in wahrer Loslösung und Innerlichkeit […]. Das ist der Anteil des edlen Menschen, wenn er in der Ruhe des Gemütes fest in Gott verwurzelt ist, in reinem Verlangen nach Gott, der alles erleuchtet, und sich durch Christus noch in allem läutern lässt.
Quelle: Evangelizo