Während seines öffentlichen Lebens offenbart und erläutert unser Herr schrittweise, dass er der Mittler ist: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, sagt er (Joh 14,6). […] Als Sohn Gottes, zugleich in der Ewigkeit als WORT des Vaters gezeugt und in der Zeit als menschgewordenes WORT ausgesprochen, trägt Jesus in sich das ungeschaffene Licht, das Gott ist, und das gesamte Licht, das Gott der Welt offenbaren wollte; das Leben, das in der Dreifaltigkeit ist, und das Leben, das Gott in den Seelen verbreiten möchte. In ihm liegen „alle Schätze der Weisheit“ und der Gnade (vgl. Kol 2,3), und „aus seiner Fülle empfangen“ wir sie (vgl. Joh 1,16). […]
Unsere Gnade ist eine Gnade der Kindschaft; das ist ihr wesentliches Merkmal. Wir haben „den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,15). Im Schoß der Heiligen Dreifaltigkeit sind wir Kinder – oder wir sind nicht. Nun aber hat der Vater nur einen Sohn, nämlich sein WORT. Der ewige Rhythmus des Lebens in der Heiligen Dreifaltigkeit unterliegt keiner Änderung: Gott der Vater zeugt durch die Erkenntnis, die er von sich selbst hat, das WORT als Ausdruck seiner selbst; der Vater und der Sohn bringen durch einen gemeinsamen Atem der Liebe den Heiligen Geist hervor. Weder die Jahrhunderte noch die Ewigkeit ändern etwas an diesem pulsierenden Leben. Wie können wir dort Eingang finden und daran teilhaben, so wie es unsere übernatürliche Berufung verlangt? Nicht anders als durch die Gnade der Annahme an Kindesstatt und deren so mächtiges Wirken, dass sie eine besondere Einheit mit einer der göttlichen Personen hervorbringt.
Das WORT ist Fleisch geworden, hat eine Menschennatur angenommen und sie als glückliche Gefangene mit sich in seine Herrlichkeit entführt: die Herrlichkeit, die das WORT hatte, ehe die Welt war (vgl. Joh 17,24). Durch diese heilige Menschheit Christi erfasst das WORT alle Menschen, die sich von seiner Gnade ergreifen lassen, und führt sie mit sich. Der ganze [sc. in der Welt] verbreitete und vollständige Christus steht durch seine Einheit mit dem WORT unter der ewig fruchtbaren Vaterschaft des Vaters des Lichts und der Barmherzigkeit und atmet mit ihm die Liebe des Heiligen Geistes, der als Geist des Vaters und des Sohnes daher auch zum Geist der Kirche und zu unserem wird.
Quelle: Evangelizo