„Ich bin der Weg“ (Joh 14,6). Zwischen jedem Geschöpf und Gott liegt die Unendlichkeit. Auch die Engel sind – außer durch übernatürliche Erhebung – unermesslich weit von der Gottheit entfernt. Gott allein sieht sich aufgrund seiner Natur so, wie er ist; er allein hat das Recht, seinen Blick in die Tiefe seiner Vollkommenheit zu versenken. Die Menschen können von Natur aus Gott nur durch seine Werke erkennen, denn „rings um ihn her sind Wolken und Dunkel“ (Ps 97,2). Nun, wir jedoch sind dazu berufen, Gott so zu sehen, wie er sich selbst sieht, ihn so zu lieben, wie er sich selbst liebt, und aus dem göttlichen Leben zu leben. Das ist unsere übernatürliche Bestimmung.
Zwischen dieser Erhebung und den Fähigkeiten unserer Natur liegt jedoch eine unüberwindbare Kluft. Durch Christus, der Gott und Mensch zugleich ist, und durch die Gnade der Kindschaft wird uns die Möglichkeit geschenkt, diese Distanz zu überwinden. Christus ist wie eine Brücke, die über diese unauslotbare Tiefe gespannt ist: Durch seine heilige Menschheit ist er der Weg, auf dem wir zur Dreifaltigkeit gelangen. Hat Jesus nicht selbst gesagt: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14,6)? Dieser Weg täuscht nicht; wer ihm folgt, wird unfehlbar ans Ziel gelangen; „er wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12). Denn als das göttliche Wort ist Jesus eins mit dem Vater, seine Menschheit führt uns also notwendigerweise zur Gottheit.
Wenn er uns in seinen mystischen Leib einfügt, nimmt er uns in Wahrheit zu sich, damit wir dort bleiben können, wo er selbst ist, nämlich vereint mit dem göttlichen Wort und dem Geist im Schoß des Vaters: „Ich komme wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin“ (Joh 14,3). Verlasst euch also in allem auf die Verdienste unseres lieben Erlösers.
Quelle: Evangelizo