Tagesevangelium

Wilhelm von Saint-Thierry

Nicht nur deinem geliebten Jünger Johannes wurde die am Himmel geöffnete Tür gezeigt (vgl. Offb 4,1). Allen hast du öffentlich erklärt [...]: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden“.  Ja, du bist die Tür. [...] Aber wenn wir, die wir auf der Erde sind, die Tür am Himmel weit geöffnet sehen: was nützt uns das, uns, die wir nicht hinaufsteigen können? Paulus hat eine Antwort darauf: „Derselbe, der herabstieg, ist auch hinaufgestiegen“ (Eph 4, 10).<!--more--> Und wer ist es? Die Rede ist von der Liebe. Ja, Herr, die Liebe, die in uns ist, steigt zu dir hinauf, denn die Liebe, die in dir ist, ist zu uns herabgestiegen. Weil du uns geliebt hast, bist du zu uns herabgestiegen; indem wir dich lieben, steigen wir auf zu dir.  Du selber hast gesagt: „Ich bin die Tür“. Deshalb bitte ich in deinem Namen: Öffne du selbst dich für uns, um uns noch klarer zu zeigen, zu welcher Wohnung du die Tür bist. [...] Die Wohnung, deren Tür du bist – […] das ist der Himmel. Der Vater wohnt dort, er, von dem geschrieben steht: „Der Herr hat seinen Thron im Himmel“ (Ps 11,4). Deshalb kommt ja „niemand zum Vater“ außer durch dich (vgl. Joh 14, 6), der du die Tür bist. [...] Nach dir strecken wir uns aus, nach dir sehnen wir uns. Antworte doch bitte: „Meister, wo wohnst du?“ (Joh 1,38) Sogleich antwortest du: „Ich bin im Vater, und der Vater ist in mir“ (vgl. Joh 14,11). Und an anderer Stelle: „An jenem Tag werdet ihr erkennen: ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch“ (Joh 14,20). [...] So ist deine Wohnung der Vater, und du bist die Wohnung des Vaters. Und nicht nur das: auch wir sind deine Wohnung, und du bist die unsrige.

Quelle: Evangelizo

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