Tagesevangelium

Sel. Jan von Ruusbroec

Das wichtigste Zeichen der Liebe Jesu besteht darin, dass er uns sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken gegeben hat. Das ist etwas so Unerhörtes, dass es in uns Bewunderung und Verblüffung auslösen muss. Das Eigentümliche der Liebe ist, dass sie immer gibt und immer empfängt. Die Liebe Jesu ist nun sowohl verschwenderisch als auch unersättlich. Alles, was er hat und ist, das gibt er; alles, was wir haben und sind, das nimmt er.

Er hat einen maßlosen Hunger [… ] Je mehr unsere Liebe ihn gewähren lässt, desto intensiver finden wir Geschmack an ihm. Er hat einen maßlosen, unstillbaren Hunger. Er weiß wohl, dass wir arm sind, aber darauf nimmt er keine Rücksicht. Er macht sich selber für uns zum Brot und tilgt in seiner Liebe zunächst unsere Laster, Fehler und Sünden. Wenn er dann sieht, dass wir rein sind, nimmt er, sofern wir uns nur selbst verleugnen (vgl. Mt 16,24), begierig unser Leben in sein herrlich gnadenvolles Leben hinein, das er ganz für uns bereitet hat […] Wer liebt, wird verstehen, was ich damit meine. […] Er schenkt uns einen ewigwährenden Hunger und Durst.

Um diesen Hunger und Durst zu stillen, reicht er uns sein Fleisch und Blut. Wenn wir beides mit innerer Hingabe zu uns nehmen, strömt sein Blut, warm und herrlich wie es ist, von Gott her bis in unsere Adern hinein. Unser Inneres fängt Feuer, und Seele und Leib, Geschmack und Verlangen kosten geistliche Freude. Jesus schenkt uns die Fähigkeit, Tugenden zu entwickeln, die den seinen ähnlich sind. Er lebt in uns und wir in ihm.

Quelle: Evangelizo

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