Tagesevangelium

Sel. Columba Marmion

„Ich bin die Wahrheit“ (Joh 14,6). Aufgrund unserer natürlichen Verfasstheit wandeln wir hier auf Erden in Finsternis (vgl. Lk 1,79). Um uns zu Gott zu erheben, müssen wir übernatürlich erleuchtet werden. Christus allein offenbart die Wahrheit über Gott, er ist „das Licht der Welt“ (Joh 8,12). Seine Lehre beseitigt zwar nicht alle Dunkelheit, doch sie ermöglicht es uns, ihn als den Gesandten des Vaters zu erkennen und uns an ihn, die höchste und unfehlbare Wahrheit, zu binden. „Der HERR ist mein Licht“ (Ps 27,1). Das Evangelium bringt der Welt die Offenbarung aller großen Glaubenswahrheiten: die der Dreifaltigkeit, der Menschwerdung, der Erlösung, der Strafen im Jenseits. Es offenbart den Menschen auch das Geheimnis der göttlichen Vaterschaft. Wenn Jesus zu uns von Gott spricht, stellt er ihn immer als unseren Vater dar: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater“ (Joh 20,17)! Es ist eines der Merkmale des Neuen Testaments, dass es uns lehrt, Gott unseren Vater zu nennen und uns ihm gegenüber als seine Kinder zu verhalten (vgl. Mt 6,9; Röm 8,16). Mit der göttlichen Vaterschaft offenbart uns Jesus auch unsere Annahme an Kindes statt, unsere himmlische und selige Bestimmung, alle Haltungen der Nächstenliebe und Tugend, die dem Christen eigen sind. Nehmen wir diese Lehren aus seinem gesegneten Mund an; machen wir uns bewusst, dass sie von der Wahrheit selbst ausgehen, und halten wir mit unerschütterlichem Glauben daran fest. Darüber hinaus senkt Christus die Wahrheit in unsere Seele durch eine ganz persönliche Gnade der Erleuchtung. Diese für jeden einzelnen Menschen ganz eigene Erleuchtung ist von wesentlicher Bedeutung für das Wachstum des Lebens Christi in uns. […] Wir müssen also unsere irdischen Lebenswege im Licht des Glaubens an Christus betrachten. Lassen wir ihn als göttliche Lampe in der Mitte unseres Herzens leuchten. Legen wir unsere Vorstellungen, Urteile und Wünsche zu Jesu Füßen nieder, um die Welt, die Menschen und die Ereignisse wie mit seinen Augen zu betrachten. Dann werden wir sowohl die zeitlichen als auch die ewigen Dinge nach ihrem wahren Wert einschätzen. Quelle: Evangelizo

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