Die göttliche Schrift ruft unsere Freiheit je nach dem Zustand und Maß einer jeden Seele zu verschiedenen Graden an Vollkommenheit. Denn es konnte ja nicht allen die gleiche Krone der Vollendung angeboten werden, weil ja auch nicht alle die gleiche Tugend, den gleichen Willen und Eifer haben, und deshalb lehrt das göttliche Wort gleichsam verschiedene Stufen und Maße der Vollkommenheit.
Das sieht man deutlich an der Verschiedenheit der Seligpreisungen im Evangelium. Selig, heißt es, denen das Himmelreich gehört, selig, die das Land erben werden, selig, denen Trost, selig, denen Sättigung zuteil werden wird! Jedoch glauben wir, dass ein großer Unterschied besteht zwischen dem Bewohnen des Himmelreiches und dem Besitzen des Landes, welches es auch sei; zwischen der Tröstung und der Fülle und Sättigung an der Gerechtigkeit; ferner zwischen denen, welche Barmherzigkeit erlangen werden, und jenen, die die herrliche Anschauung Gottes genießen dürfen. „Der Glanz der Sonne ist anders als der Glanz des Mondes, anders als der Glanz der Sterne; denn auch die Gestirne unterscheiden sich durch ihren Glanz.“ (1 Kor 15,41–42) […]
Ihr seht also, dass es verschiedene Stufen der Vollkommenheit gibt. […] „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“ (Joh 14,2), sagt der Erlöser. Und obwohl alle Sterne am Himmel sind, so besteht doch zwischen der Klarheit der Sonne, des Mondes, der Venus und der übrigen Sterne ein großer Unterschied.
Quelle: Evangelizo