Diese Worte wollen sagen: Ihr sollt wachsam und aufmerksam sein, da ihr den Zeitpunkt nicht kennt, an dem der Herr von der Hochzeit kommen wird. […] Denn sobald eine Regung des Stolzes, der Selbstgefälligkeit oder des Eigenwillens den Menschen überkommt, ist der Feind schon da und nimmt ihm den kostbaren Schatz all seiner guten Werke. Meine Kinder! Wie oft werdet ihr Leuten begegnen, die Erstaunliches vollbracht und sich einen großen Namen gemacht haben, denen der Dünkel aber alles geraubt hat. Sie gelten noch weniger als die anderen Menschen, die arm und einfach sind und die keiner wegen ihres Äußeren und ihrer Werke hochschätzt. Weil sich diese in Demut erniedrigen, werden diese Letzten über die anderen gestellt werden. Haltet euch also bereit mit wachem Geist, und ihr werdet mit offenen Augen die reine Wahrheit erkennen. […]
„Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen!“ Dabei gibt es dreierlei zu beachten. Erstens: Die Hüften müssen straff gegürtet sein wie bei einem, den man eng an der Leine hält, um ihn auch gegen seinen Willen führen zu können, oder auch wie ein gezäumtes Pferd […]; diese Hüften stehen für sinnliche Freuden, die gebunden und gezügelt werden müssen. […] Zweitens: In euren Händen müsst ihr brennende Lampen tragen, also Werke der Liebe. Eure Hände dürfen niemals aufhören, wahre und herzliche Nächstenliebe zu üben. […] Drittens: Ihr müsst den Herrn erwarten, wenn er von der Hochzeit zurückkommt: „Er wird sie zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen; er wird sich gürten und sie bedienen.“ Die Hochzeit, von der der Herr kommt, findet im Innersten der Seele statt, im Seelengrund, dort, wo sich das edle Abbild befindet. Welch innige Verbindung die Seele da mit ihrem Gott hat und Gott mit ihr, und welch wunderbares Werk Gott dort vollbringt! Welche Wonne und welche Freude findet er dort! Das übersteigt alles Fühlen und Verstehen, wenn der Mensch nichts davon weiß und verspürt.
Quelle: Evangelizo