Tagesevangelium

Sel. Columba Marmion

Es gibt aber auch noch andere Formen des verkehrten Eifers, die sich unter dem Schein des guten verbergen. So war z. B. der Eifer der Pharisäer, dieser strengen Beobachter des äußeren Gesetzes. Dieser […] als „bitter“ bezeichnete Eifer entspricht nicht der Liebe Gottes und des Nächsten, sondern dem Hochmut. Der von ihm Eingenommene ist im Übermaß von der eigenen Vorzüglichkeit überzeugt; er kennt kein anderes Ideal als das seine; was mit diesem nicht übereinstimmt, ist von vornherein verurteilt; er will, dass alles sich nur nach seinem Denken und Handeln richte, daher dann alle Streitigkeiten; solcher Eifer führt nur zum Hass.

Wir wissen, mit welcher Bitterkeit die von diesem Eifer beseelten Pharisäer den Herrn verfolgten; sie legen ihm verfängliche Fragen vor, bereiten ihm Schlingen und Fallstricke, weil sie nicht nach der Wahrheit strebten, sondern nur danach, am Heiland eine Schuld zu finden. Wie drängen sie ihn und treiben ihn in die Enge, damit er die Ehebrecherin verurteile! „Moses verlangt, dass man eine solche Frau steinige; Meister, was sagst du dazu?“ (Joh 8,5). Wie greifen sie den Heiland an, weil er am Sabbat heilt (Lk 6,7; Joh 5,16; 9,16), machen seinen Jüngern einen Vorwurf daraus, dass sie an solchem Ruhetag Ähren in der Hand zerreiben (Mt 12,2), nehmen Ärgernis, weil der Herr mit Zöllnern und Sündern zu Tische sitzt (Mt 9,11): Alles Äußerungen dieses bitteren Eifers, an dem die Heuchelei so großen Anteil hat!

Quelle: Evangelizo

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