Tagesevangelium

Hrabanus Maurus

       Du darfst es nicht an Vertrauen Gott gegenüber fehlen lassen noch an seiner Barmherzigkeit verzweifeln. […] Sing dem Herrn mit den Worten des Propheten: „Wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin, so sind unsere Augen erhoben zum Herrn, unserem Gott, bis er uns gnädig ist. Sei uns gnädig, Herr, sei uns gnädig! Denn übersatt sind wir von Verachtung“ (Ps 122(123),2-3). […] Wenn wir wegen der Vielzahl unserer Sünden übersatt sind von Verachtung, müssen unsere Augen auf den Herrn, unsern Gott, gerichtet bleiben, bis er uns gnädig ist, und wir müssen ihn unaufhörlich anflehen, bis er uns unsere Sünden verzeiht. Denn es ist das Kennzeichen einer standhaften und beharrlichen Seele, sich niemals aus Hoffnungslosigkeit, ihr Gebet würde nicht erhört werden, von der Beharrlichkeit des Betens abzuwenden, sondern unermüdlich weiterzubeten, bis Gott sich ihrer erbarmt.

Damit du nicht auf den Gedanken kommst, du könntest den Herrn mit der Beharrlichkeit deines Betens beleidigen, da du es doch gar nicht verdienst, erhört zu werden, erinnere dich an das Gleichnis im Evangelium. Hier wirst du die Entdeckung machen, dass diejenigen, die Gott mit aufdringlicher Hartnäckigkeit bitten, ihm keineswegs auf die Nerven gehen, da es doch heißt: „Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.“ Begreife also, dass es der Teufel ist, der uns einflüstert, wir sollten die Hoffnung, erhört zu werden, aufgeben; damit soll uns diese Hoffnung auf die Güte Gottes genommen werden. Diese Hoffnung ist aber doch der Anker unseres Heiles, das Fundament unseres Lebens und der Wegweiser auf dem Weg zum Himmel. Der Apostel Paulus sagt: „Wir sind gerettet, doch in der Hoffnung“ (Röm 8,24).

Quelle: Evangelizo

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