Tagesevangelium

Hl. Maximus von Turin

„Der Weinberg des Herrn der Heere ist das Haus Israel“, sagt der Prophet (vgl. Jes 5,7). Nun, dieses Haus, das sind wir […], und weil wir Israel sind, sind wir der Weinberg. Geben wir also gut acht, dass an unseren Reben nicht statt süßer Trauben solche des Zornes wachsen (vgl. Offb 14,19), damit man uns nicht sagt […]: „Ich hoffte auf süße Trauben; doch der Weinberg brachte nur Herlinge [unreife, saure Trauben]“ (vgl. Jes 5,4 Vulg.). Welch undankbare Erde! Sie, die ihrem Herrn süße Trauben hätte anbieten sollen, durchbohrte ihn mit ihren spitzen Dornen. Ebenso krönten seine Feinde, die ihren Retter mit aller Hingabe ihres Glaubens hätten willkommen heißen müssen, ihn mit den Dornen der Passion. Für sie bedeutete diese Krone Verhöhnung und Beleidigung, in den Augen des Herrn aber war es die Krone der Tugenden […]

Habt acht, Brüder, dass man nicht von euch sagt: „Er hoffte auf süße Trauben, doch der Weinberg brachte nur wilde Dornen“ (vgl. Jes 5,2) […] Lasst uns darauf achten, dass unsere bösen Taten nicht das Haupt des Herrn verletzen wie Dornengestrüpp. Es gibt Dornen des Herzens, die sogar das Wort Gottes verletzt haben, wie der Herr im Evangelium sagt, als er erzählt, dass das Korn des Sämanns unter die Dornen fiel. Die Dornen wuchsen und erstickten die Saat (Mt 13,7) […] Passt also auf, dass euer Weinberg nicht Dornen anstelle von Trauben trägt, dass eure Weinlese nicht Essig hervorbringt statt Wein. Wer Weinlese hält, ohne an die Armen auszuteilen, sammelt Essig anstelle von Wein. Und wer seine Ernte einfährt, ohne davon an die Bedürftigen auszuteilen, sammelt nicht Frucht des Almosengebens, sondern Disteln der Habgier.

Quelle: Evangelizo

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