Tagesevangelium

Hl. Gertrud von Helfta

Als Gertrud sich während der Messe in die Epistel (2 Kor 6,1-10) vertiefte, um aus den dort genannten Tugenden einige zur Nachahmung und zur Belehrung anderer auszuwählen, hierbei aber keine besondere Erleuchtung empfing, sagte sie zum Herrn: „Lehre mich, o Herr, durch welche dieser Tugenden ich dir besonders wohlgefällig dienen kann, denn ich vermag es leider nicht, mich jeden Tag in allem zu üben.

Der Herr antwortete: „Erinnere dich, dass es mitten in der Aufzählung dieser Tugenden heißt: ‚im Heiligen Geist‘ (2 Kor 6,6). Der Heilige Geist aber ist der gute Wille. Deshalb bemühe dich immer um einen guten Willen, dann kannst du auch den Glanz und Fortschritt aller Tugenden haben, weil ein solcher Wille mehr gewinnt, als je ein Mensch im Werk erreichen kann. Denn wer einen so guten Willen hat, dass er gern über alle Geschöpfe mich loben, lieben, mir danken, Mitgefühl mit mir haben und in jeglicher Tugend auf die vollkommenste Weise sich üben möchte, wenn er könnte, der wird von meiner göttlichen Freigebigkeit einst einen reichlicheren Lohn empfangen, als je ein Mensch durch Werke erlangen kann.“ Darauf trat der Heilige Geist, der Paraklet, in die Mitte und stand als Vermittler für die Seele vor ihr in seinem göttlichen Glanz und begann, die Seele, die ihre ungeheure Schlechtigkeit unverhüllt erkennen konnte, mit dem wunderbaren Glanz seiner göttlichen Herrlichkeit zu überfluten. So hatte diese Seele, durch das Wirken des göttlichen Lichts von jeglicher Schlechtigkeit völlig befreit, das Glück, in den lebendigen Quell des Lichts, das niemals erlischt, eingetaucht zu werden.

Quelle: Evangelizo

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