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Brüder! Wir sind immer zuversichtlich, auch wenn wir wissen, dass wir fern vom Herrn in der Fremde leben, solange wir in diesem Leib zu Hause sind; denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende. Weil wir aber zuversichtlich sind, ziehen wir es vor, aus dem Leib auszuwandern und daheim beim Herrn zu sein. Deswegen suchen wir unsere Ehre darin, ihm zu gefallen, ob wir daheim oder in der Fremde sind. Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat.
So spricht Gott, der Herr: Ich selbst nehme ein Stück vom hohen Wipfel der Zeder und pflanze es ein. Einen zarten Zweig aus den obersten Ästen breche ich ab, ich pflanze ihn auf einen hoch aufragenden Berg. Auf die Höhe von Israels Bergland pflanze ich ihn. Dort treibt er dann Zweige, er trägt Früchte und wird zur prächtigen Zeder. Allerlei Vögel wohnen darin; alles, was Flügel hat, wohnt im Schatten ihrer Zweige. Dann werden alle Bäume auf den Feldern erkennen, dass ich der Herr bin. Ich mache den hohen Baum niedrig, den niedrigen mache ich hoch. Ich lasse den grünenden Baum verdorren, den verdorrten erblühen. Ich, der Herr, habe gesprochen, und ich führe es aus.
Nach unserem Empfinden hat Maria oft – Nahrung und Trank vergessend – gewacht, um an Christus zu denken, um Christus zu betrachten in [seinem Fleisch, das von] ihrem Fleisch [war], sie, die vor Liebe zu ihm brannte und leidenschaftlich danach strebte, ihm zu dienen. Oft machte sie sich die Worte des Hoheliedes zu eigen: „Ich schlief, doch mein Herz war wach“ (Hld 5,2). Selbst während der Ruhe träumte sie weiter von dem, der ihre Gedanken den ganzen Tag lang erfüllte. Ob sie wach war oder ruhig schlief, sie lebte immer in ihm, war ganz von ihm erfüllt. Wo ihr Schatz war, da war auch ihr Herz (vgl. Mt 6,21); wo ihre Herrlichkeit war, da war auch ihr Geist. Sie liebte ihren Herrn und Sohn mit ihrem ganzen Herzen, mit ihrer ganzen Seele, mit ihrem ganzen Denken (vgl. Mt 22,37). Sie sah das Wort des Lebens mit ihren Augen und berührte es mit ihren Händen (vgl. 1 Joh 1,1). Selig ist Maria, der es gegeben war, den zu umfangen, der alles umfängt und ernährt! Selig ist sie, die den getragen hat, der das All trägt (vgl. Heb 1,3), die einen Sohn gestillt hat, der sie am Leben erhält, einen Sohn, der ihr und allen Wesen der Welt Speise gibt (vgl. Ps 145(144),15). An ihren Hals hängte sich derjenige, der die Weisheit des Vaters ist; in ihren Armen saß derjenige, der die Kraft ist, die alles bewegt. Er, der die Ruhestätte der Seelen ist, ruhte auf ihrem Schoß (vgl. Mt 11,29). Wie sachte hielt er sich an ihr mit seinen Händen fest, wie ruhig schaute er sie an, er, den zu schauen das Verlangen der Engel ist (vgl. 1 Petr 1,12). Und süß rief er nach ihr, er, zu dem jedes Wesen in der Not fleht. Erfüllt vom Heiligen Geist drückte sie ihn an ihr Herz […]; nie konnte sie sich an ihm sattsehen oder -hören, den „viele Propheten und Könige sehen wollten und nicht gesehen haben“ (vgl. Lk 10,24). So wuchs Maria mehr und mehr in der Liebe, und ihr Geist war unaufhörlich der göttlichen Betrachtung zugeneigt.
Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.
Mein Herz ist voll Freude über den Herrn, große Kraft gibt mir der Herr. Weit öffnet sich mein Mund gegen meine Feinde; denn ich freue mich über deine Hilfe. Der Bogen der Helden wird zerbrochen, die Wankenden aber gürten sich mit Kraft. Die Satten verdingen sich um Brot, doch die Hungrigen können feiern für immer. Die Unfruchtbare bekommt sieben Kinder, doch die Kinderreiche welkt dahin. Der Herr macht tot und lebendig, er führt zum Totenreich hinab und führt auch herauf. Der Herr macht arm und macht reich, er erniedrigt, und er erhöht. Den Schwachen hebt er empor aus dem Staub und erhöht den Armen, der im Schmutz liegt; er gibt ihm einen Sitz bei den Edlen, einen Ehrenplatz weist er ihm zu.
So spricht der Herr: Die Nachkommen meines Volkes werden bei allen Nationen bekannt sein und ihre Kinder in allen Völkern. Jeder, der sie sieht, wird erkennen: Das sind die Nachkommen, die der Herr gesegnet hat. Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn. Meine Seele soll jubeln über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit, wie ein Bräutigam sich festlich schmückt und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt. Denn wie die Erde die Saat wachsen lässt und der Garten die Pflanzen hervorbringt, so bringt Gott, der Herr, Gerechtigkeit hervor und Ruhm vor allen Völkern.
Und wirklich, wo findet sich sichere und feste Ruhe für die Schwachen, wenn nicht in den Wunden des Erlösers? […] Sie haben seine Hände und Füße durchbohrt (vgl. Ps 21,17) und die Seite mit der Lanze durchstoßen: Durch diese Ritzen darf ich Honig aus dem Felsen und Öl aus härtestem Gestein saugen, das heißt kosten und sehen, wie süß der Herr ist (vgl. Ps 33,9). Er dachte Gedanken des Friedens, und ich wusste es nicht. „Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen?“ (Röm 11,34). Doch ein Schlüssel, der öffnet, wurde für mich der Nagel beim Eindringen, so dass ich den Willen des Herrn sah. Was sehe ich nämlich durch die Öffnung? Es ruft der Nagel, es ruft die Wunde, dass Gott wahrhaft in Christus die Welt mit sich versöhnt. „Das Eisen durchdrang seine Seele und näherte sich seinem Herzen“ (vgl. Ps 104,18; 54,22), so dass es nicht mehr ohne Mitgefühl sein kann gegenüber meinen Schwächen. Offen liegt das Verborgene des Herzens durch die Öffnungen des Leibes, offen liegt jenes große Geheimnis der Güte, offen liegt „die barmherzige Liebe unseres Gottes, in der uns besucht hat das aufstrahlende Licht aus der Höhe“ (Lk 1,78). Steht das Herz denn nicht durch die Wunden offen? Wodurch sonst, wenn nicht durch deine Wunden, wäre deutlicher geworden, dass „du, Herr, gütig und mild bist und reich an Erbarmen“ (Ps 85,5)? Ein größeres Erbarmen hat nämlich keiner, als wer sein Leben hingibt für die Verurteilten und Verdammten (Joh 15,13). Mein Verdienst ist somit das Erbarmen des Herrn. Nicht arm an Verdiensten bin ich, solange er es nicht an Erbarmen ist. Wenn aber die Barmherzigkeit des Herrn reich ist, bin auch ich reich an Verdiensten. Was macht es denn aus, wenn ich mir vieler Sünden bewusst bin? Denn „wo die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden“ (Röm 5,20). Und wenn „das Erbarmen des Herrn immer und ewig währt“ (Ps 102,17), werde auch „ich das Erbarmen des Herrn ewig besingen“ (Ps 88,1). Oder etwa meine Gerechtigkeit? „Herr, ich will allein an deine Gerechtigkeit denken“ (Ps 70,16). Sie gehört nämlich auch mir; denn du wurdest meine Gerechtigkeit von Gott her (1 Kor 1,30).
Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen. Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.
Gott ist meine Rettung; ihm will ich vertrauen und niemals verzagen. Denn meine Stärke und mein Lied ist der Herr. Er ist für mich zum Retter geworden. Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils. An jenem Tag werdet ihr sagen: Dankt dem Herrn! Ruft seinen Namen an! Macht seine Taten unter den Völkern bekannt, verkündet: Sein Name ist groß und erhaben! Preist den Herrn; denn herrliche Taten hat er vollbracht; auf der ganzen Erde soll man es wissen. Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner von Zion; denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.
So spricht der Herr: Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn aus Ägypten. Ich war es, der Efraim gehen lehrte, ich nahm ihn auf meine Arme. Sie aber haben nicht erkannt, dass ich sie heilen wollte. Mit menschlichen Fesseln zog ich sie an mich, mit den Ketten der Liebe. Ich war da für sie wie die Eltern, die den Säugling an ihre Wangen heben. Ich neigte mich ihm zu und gab ihm zu essen. Wie könnte ich dich preisgeben, Efraim, wie dich aufgeben, Israel? Wie könnte ich dich preisgeben wie Adma, dich behandeln wie Zebojim? Mein Herz wendet sich gegen mich, mein Mitleid lodert auf. Wie könnte ich dich preisgeben, Efraim, wie dich aufgeben, Israel? Wie könnte ich dich preisgeben wie Adma, dich behandeln wie Zebojim? Mein Herz wendet sich gegen mich, mein Mitleid lodert auf. Ich will meinen glühenden Zorn nicht vollstrecken und Efraim nicht noch einmal vernichten. Denn ich bin Gott, nicht ein Mensch, der Heilige in deiner Mitte. Darum komme ich nicht in der Hitze des Zorns.