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In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf. Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.
Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen, der sagt zum Herrn: «Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue.» Er rettet dich aus der Schlinge des Jägers und aus allem Verderben. Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, Schild und Schutz ist dir seine Treue. Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt, nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag. Dir begegnet kein Unheil, kein Unglück naht deinem Zelt. Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen.
So spricht Gott, der Herr: Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe. Achte auf ihn, und hör auf seine Stimme! Widersetz dich ihm nicht! Er würde es nicht ertragen, wenn ihr euch auflehnt; denn in ihm ist mein Name gegenwärtig. Wenn du auf seine Stimme hörst und alles tust, was ich sage, dann werde ich der Feind deiner Feinde sein und alle in die Enge treiben, die dich bedrängen. Wenn mein Engel dir vorausgeht und dich in das Land der Amoriter, Hetiter, Perisiter, Kanaaniter, Hiwiter und Jebusiter führt und wenn ich sie verschwinden lasse.
„Ach, würdet ihr doch heute auf meine Stimme hören! Verhärtet euer Herz nicht wie in der Wüste. Dort haben eure Väter mich versucht […] Sie sollen nicht kommen in das Land meiner Ruhe“ (vgl. Ps 95(94),7–11). Die Gnade der Verheißung Gottes ist überreich, wenn wir heute auf seine Stimme hören; denn dieses Heute erstreckt sich auf jeden neuen Tag, solange man „heute“ sagt. Dieses Heute bleibt, ebenso wie die Gelegenheit zu lernen, bis zum Ende der Zeiten. In jenem Moment wird das wahre Heute, der endlose Tag Gottes, mit der Ewigkeit verschmelzen. Lasst uns also immer der Stimme des göttlichen Wortes, dem fleischgewordenen göttlichen Wort gehorchen; denn das Heute jeden Tages ist das Bild der Ewigkeit, und der Tag ist das Symbol des Lichtes; das Wort ist also das Licht der Menschen (vgl. Joh 1,9), in welchem wir Gott schauen. Es ist also ganz natürlich, dass die Gnade für diejenigen, die geglaubt und gehorcht haben, in überreichem Maß vorhanden ist; gegen diejenigen aber, die ungläubig waren […], die die Wege des Herrn nicht erkannt haben […], gegen sie entbrennt natürlich der Zorn Gottes und droht ihnen. […] Deshalb irrten die Juden in der Wüste umher; sie kamen nicht an den Ort der Ruhe wegen ihres Unglaubens […] Weil der Herr die Menschen liebt, lädt er sie alle ein, zur „Erkenntnis der Wahrheit“ (1 Tim 2,4) zu gelangen, und er sendet ihnen den Heiligen Geist, den Beistand […] Hört also, ihr in der Ferne und ihr in der Nähe (vgl. Eph 2,17). Das Wort verbirgt sich vor niemandem. Es ist unser gemeinsames Licht, es scheint allen Menschen. Eilen wir also hin zum Heil, hin zur neuen Geburt [zur Taufe]. Eilen wir, um uns in großer Zahl in einer Herde zu versammeln, in der Einheit der Liebe. Und diese Vielfalt der Stimmen […], die einem einzigen Herrn, dem Wort, gehorsam ist, wird ihre Ruhe in der Wahrheit selbst finden und sagen können: „Abba, Vater“ (Röm 8,15).
In jener Zeit sprach Jesus: Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind - man hätte dort in Sack und Asche Buße getan. Tyrus und Sidon wird es beim Gericht nicht so schlimm ergehen wie euch. Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen. Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.
Gott, die Heiden sind eingedrungen in dein Erbe, sie haben deinen heiligen Tempel entweiht und Jerusalem in Trümmer gelegt. Die Leichen deiner Knechte haben sie zum Fraß gegeben den Vögeln des Himmels, die Leiber deiner Frommen den Tieren des Feldes. Ihr Blut haben sie wie Wasser vergossen rings um Jerusalem, und keiner hat sie begraben. Zum Schimpf sind wir geworden in den Augen der Nachbarn, zu Spott und Hohn bei allen, die rings um uns wohnen. Wie lange noch, Herr? Willst du auf ewig zürnen? Wie lange noch wird dein Eifer lodern wie Feuer? Rechne uns die Schuld der Vorfahren nicht an! Mit deinem Erbarmen komm uns eilends entgegen! Denn wir sind sehr erniedrigt. Um der Ehre deines Namens willen hilf uns, du Gott unsres Heils! Um deines Namens willen reiß uns heraus und vergib uns die Sünden!
Der Herr, unser Gott, ist im Recht; uns aber treibt es bis heute die Schamröte ins Gesicht, den Leuten von Juda und den Bewohnern Jerusalems, unseren Königen und Beamten, unseren Priestern und Propheten und unseren Vätern; denn wir haben gegen den Herrn gesündigt und ihm nicht gehorcht. Wir haben auf die Stimme des Herrn, unseres Gottes, nicht gehört und die Gebote nicht befolgt, die der Herr uns vorgelegt hat. Von dem Tag an, als der Herr unsere Väter aus Ägypten herausführte, bis auf den heutigen Tag waren wir ungehorsam gegen den Herrn, unseren Gott. Wir hörten sehr bald nicht mehr auf seine Stimme. So hefteten sich an uns das Unheil und der Fluch, den der Herr durch seinen Diener Mose androhen ließ am Tag, als er unsere Väter aus Ägypten herausführte, um uns ein Land zu geben, in dem Milch und Honig fließen, und so ist es noch heute. Wir haben nicht auf die Stimme des Herrn, unseres Gottes, gehört und auf alle Reden der Propheten, die er zu uns gesandt hat. Jeder von uns folgte der Neigung seines bösen Herzens; wir dienten anderen Göttern und taten, was dem Herrn, unserem Gott, missfällt.
Da Jesus nun die Jünger in seinen Weinberg schickte, der, obschon vom Worte Gottes gepflanzt, gleichwohl der mühevollen Pflege und sorglichen Hut des Arbeiters bedurfte, dass nicht die Vögel des Himmels den ausgestreuten Samen zerstöben, so sprach er: „Sieh, ich sende euch wie Lämmer unter die Wölfe“ […] Doch der gute Hirte kennt keine Furcht vor den Wölfen für seine Herde. Daher werden die Jünger hier nicht zu deren Erlegung, sondern zu friedlichem Tun angeleitet; denn die sorgsame Hut des guten Hirten verhütet, dass die Wölfe etwas wider die Lämmer wagen. Er schickt die Lämmer unter die Wölfe, dass sich jener Ausspruch erfülle: „Dann werden Wölfe und Lämmer zusammen weiden“ (vgl. Jes 65,25) […] Keinen Stab sollten die Apostel der Anweisung gemäß in der Hand tragen […] Des niedrigen Herrn […] Gebot vollziehen also dessen Jünger mit ihren niedrigen Dienstleistungen. Denn zur Glaubenssaat sendet er sie aus. Nicht Zwang sollten sie anwenden, sondern Unterweisung; nicht die Schärfe der Gewalt hervorkehren, sondern die Lehre von der Demut hochhalten. Hierbei glaubte er mit der Demut auch die Geduld verbinden zu sollen; denn auch er selbst gab nach dem Zeugnis des Petrus, „wenn er geschmäht wurde, die Schmähung, wenn er geschlagen wurde, den Schlag nicht zurück“ (vgl. 1 Petr 2,23). Das also will es sagen: „Werdet meine Nachahmer!“ (vgl. Phil 3,17). Legt Rachegelüste ab und schlagt den Übermut der Schlagenden nicht mit der Erwiderung des Unrechts, sondern mit der Großmut der Geduld. Niemand darf, was er an einem anderen tadelt, selbst nacheifernd tun. Die schwersten Gegenwunden schlägt dem Übermut die Sanftmut.
In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe. Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Straße und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt.
Die Weisung des Herrn ist vollkommen, sie erquickt den Menschen. Das Gesetz des Herrn ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise. Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen. Die Furcht des Herrn ist rein, sie besteht für immer. Die Urteile des Herrn sind wahr, gerecht sind sie alle.