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Jeder Priester - des Alten Bundes - steht Tag für Tag da, versieht seinen Dienst und bringt viele Male die gleichen Opfer dar, die doch niemals Sünden wegnehmen können. Dieser aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt; seitdem wartet er, bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden. Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt. Wo aber die Sünden vergeben sind, da gibt es kein Sündopfer mehr.
Bete ohne Unterlass bei allen Dingen. Denn ohne Gottes Hilfe kannst du nichts ausrichten. Nichts ist mächtiger als das Gebet, um göttliche Kraft zu erhalten, und nichts ist nützlicher, um das Wohlwollen Gottes zu erlangen. Das Befolgen der Gebote kommt aus dem Gebet. Denn es gibt nichts Höheres als die Liebe Gottes. Beten ohne Zerstreuung ist ein Zeichen der Liebe Gottes in jenem, der ausharrt. Aber Nachlässigkeit und Zerstreuung während unseres Betens weisen hin auf Vergnügungssucht. Wer mühelos wacht, ausharrt und betet, empfängt offensichtlich den Heiligen Geist als Anteil. Aber wer sich in all dem abmüht und seinem Entschluss treu bleibt, auch der bekommt schnell Hilfe. […] Wenn du jemandem, der gerne lernt, mit wenigen Worten einen Dienst leisten willst, so zeige ihm das Gebet, den rechten Glauben, Geduld in Prüfungen. Durch diese drei Tugenden erhält man all die anderen Güter. […] Entfliehe der Versuchung durch Geduld und Gebet. Wenn du sie ohne diese Tugenden bekämpfen willst, greift sie dich immer mehr an. […] Alles, was wir sagen oder tun können, ohne zu beten, erweist sich später als gefährlich oder nutzlos, und wir werden, ohne uns dessen bewusst zu sein, durch die Tatsachen bloßgestellt. […] Wir müssen das innere Haus Christi suchen, insoweit wir das Haus Gottes sind, und im Gebet ständig anklopfen (vgl. Mt 7,7), damit – jetzt oder bei unserem Tod – der Herr uns öffnet und nicht zu uns wie zu nachlässigen Leuten sagt: „Ich weiß nicht, woher ihr seid“ (Lk 13,25). Und wir dürfen nicht nur bitten und erhalten, sondern müssen auch das, was uns gegeben wurde, bewahren. Es gibt nämlich einige, die wieder verlieren, was sie zuvor empfangen haben.
In jener Zeit sagte Jesus den Jüngern durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?
Singt dem Herrn und spielt ihm, sinnt nach über all seine Wunder! Rühmt euch seines heiligen Namens! Alle, die den Herrn suchen, sollen sich von Herzen freuen. Er erschlug im Land jede Erstgeburt, die ganze Blüte der Jugend. Er führte sein Volk heraus mit Silber und Gold; in seinen Stämmen fand sich kein Schwächling. Denn er dachte an sein heiliges Wort und an Abraham, seinen Knecht. Er führte sein Volk heraus in Freude, seine Erwählten in Jubel.
Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab als harter Krieger mitten in das dem Verderben geweihte Land. Es trug das scharfe Schwert deines unerbittlichen Befehls, trat hin und erfüllte alles mit Tod; es berührte den Himmel und stand auf der Erde. Das Wesen der ganzen Schöpfung wurde neugestaltet; sie gehorchte deinen Befehlen, damit deine Kinder unversehrt bewahrt blieben. Man sah die Wolke, die das Lager überschattete, trockenes Land tauchte auf, wo zuvor Wasser war; es zeigte sich ein Weg ohne Hindernisse durch das Rote Meer, eine grüne Ebene stieg aus der gewaltigen Flut. Von deiner Hand behütet, zogen sie vollzählig hindurch und sahen staunenswerte Wunder. Sie weideten wie Rosse, hüpften wie Lämmer und lobten dich, Herr, ihren Retter.
Unser Herr und Erlöser nahm es auf sich, in einer Welt zu leben, die ihn verleugnete. Dort lebte er, um für sie zu sterben, als die Zeit dafür gekommen war. Er kam als Priester, um das Opfer darzubringen für jene, die sich selbst an keinem Akt der Anbetung Gottes beteiligten. […] Er starb und stand am dritten Tag wieder auf als Sonne der Gerechtigkeit (vgl. Mal 3,20), die nun ihren vollen Glanz zeigt, der vorher vom Morgengewölk verdeckt gewesen war. Er ist auferstanden und aufgefahren zur Rechten Gottes, um durch seine heiligen Wunden für uns Vergebung zu erbitten, um sein losgekauftes Volk zu regieren, zu leiten und aus seiner durchbohrten Seite die größten Segnungen darüber auszugießen. Er stieg in den Himmel hinauf, um zur festgesetzten Zeit wieder herabzusteigen und die Welt, die er erlöst hat, zu richten. […] Er hat die menschliche Natur mit sich hinaufgenommen […], denn ein Mensch hat uns losgekauft, ein Mensch wurde über alle Geschöpfe erhoben und ist eins geworden mit unserem Schöpfer, ein Mensch wird die Menschen am letzten Tag auch richten (vgl. Apg 17,31). Es ist ein großes Privileg für diese Erde, dass unser Richter kein Fremder sein wird, sondern einer, der uns gleich ist, der für uns eintritt und volles Mitgefühl hat mit all unseren Schwächen. Er, der uns um unseres Heiles willen geliebt hat bis zum Tod, wurde aus Erbarmen dazu bestellt, das endgültige Maß und den Wert seines eigenen Werkes zu bestimmen. Er, der durch seine eigene Schwachheit gelernt hat, die Schwachen zu verteidigen, er, der die ganze Frucht seines Leidens ernten will, wird die Spreu vom Weizen trennen, damit auch nicht ein einziges Korn zur Erde fällt (vgl. Mt 3,12). Er, der uns seiner eigenen geistigen Natur teilhaftig macht, aus der wir das lebensspendende Blut für unsere Seelen geschöpft haben, er, der unser Bruder ist, wird über seine Brüder entscheiden. Möge er bei seiner zweiten Ankunft in seinem Erbarmen und seinem liebevollen Mitleid unser gedenken, er, unsere einzige Hoffnung, er, unser einziges Heil!
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie es zur Zeit des Noach war, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein. Die Menschen aßen und tranken und heirateten bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging; dann kam die Flut und vernichtete alle. Und es wird ebenso sein, wie es zur Zeit des Lot war: Sie aßen und tranken, kauften und verkauften, pflanzten und bauten. Aber an dem Tag, als Lot Sodom verließ, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und alle kamen um. Ebenso wird es an dem Tag sein, an dem sich der Menschensohn offenbart. Wer dann auf dem Dach ist und seine Sachen im Haus hat, soll nicht hinabsteigen, um sie zu holen, und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren. Denkt an die Frau des Lot! Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren; wer es dagegen verliert, wird es gewinnen. Ich sage euch: Von zwei Männern, die in jener Nacht auf einem Bett liegen, wird der eine mitgenommen und der andere zurückgelassen. Von zwei Frauen, die mit derselben Mühle Getreide mahlen, wird die eine mitgenommen und die andere zurückgelassen. Da fragten sie ihn: Wo wird das geschehen, Herr? Er antwortete: Wo ein Aas ist, da sammeln sich auch die Geier.
Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, vom Werk seiner Hände kündet das Firmament. Ein Tag sagt es dem andern, eine Nacht tut es der andern kund, ohne Worte und ohne Reden, unhörbar bleibt ihre Stimme. Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, ihre Kunde bis zu den Enden der Erde. Dort hat er der Sonne ein Zelt gebaut.
Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht, sondern hielten das Feuer, den Wind, die flüchtige Luft, den Kreis der Gestirne, die gewaltige Flut oder die Himmelsleuchten für weltbeherrschende Götter. Wenn sie diese, entzückt über ihre Schönheit, als Götter ansahen, dann hätten sie auch erkennen sollen, wieviel besser ihr Gebieter ist; denn der Urheber der Schönheit hat sie geschaffen. Und wenn sie über ihre Macht und ihre Kraft in Staunen gerieten, dann hätten sie auch erkennen sollen, wieviel mächtiger jener ist, der sie geschaffen hat; denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen. Dennoch verdienen jene nur geringen Tadel. Vielleicht suchen sie Gott und wollen ihn finden, gehen aber dabei in die Irre. Sie verweilen bei der Erforschung seiner Werke und lassen sich durch den Augenschein täuschen; denn schön ist, was sie schauen. Doch auch sie sind unentschuldbar: Wenn sie durch ihren Verstand schon fähig waren, die Welt zu erforschen, warum fanden sie dann nicht eher den Herrn der Welt?
„Das Reich Gottes ist in euch“, spricht der Herr (Lk 17,20f.). […] Eia, gläubige Seele, richte diesem Gemahl dein Herz, so oft er zu dir kommen und in dir wohnen will. Er spricht: „Wenn einer mich liebt, wird er mein Wort halten. Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen“ (Joh 14,23). Schaffe also Raum für Christus und verwehre allem Übrigen den Eintritt. Ist Christus in dir, so bist du reich und hast genug. Er sorgt treu für dich in allem, dass du nicht nötig hast, auf Menschen zu rechnen. Die Menschen sind veränderlich und siechen schnell dahin. Christus bleibt in Ewigkeit, er stützt dich mächtig bis ans Ende. Auf einen Menschen, gebrechlich und sterblich wie er ist, sollst du kein großes Vertrauen setzen, wenn er auch lieb und von Nutzen ist. Du sollst auch nicht traurig werden, wenn man dir feind ist und dir zuweilen zusetzt. Wer heute zu dir steht, kann morgen dein Feind sein und ebenso umgekehrt. Die Menschen schlagen um wie der Wind. Baue dein ganzes Vertrauen auf Gott, er sei deine Furcht und deine Liebe. Er gibt die Antwort für dich und macht es so gut, wie es besser nicht sein könnte. „Du hast hier keine bleibende Stätte“ (Hebr 13,14). Wo du auch seist, bist du Fremdling und Pilger. Du wirst nirgends Ruhe finden, aber der innige Anschluss an Christus gewährt sie.