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Als sie ihn entwöhnt hatte, nahm sie ihn mit hinauf, dazu einen dreijährigen Stier, ein Efa Mehl und einen Schlauch Wein. So brachte sie ihn zum Haus des Herrn in Schilo; der Knabe aber war damals noch sehr jung. Als sie den Stier geschlachtet hatten, brachten sie den Knaben zu Eli, und Hanna sagte: Bitte, mein Herr, so wahr du lebst, mein Herr, ich bin die Frau, die damals neben dir stand, um zum Herrn zu beten. Ich habe um diesen Knaben gebetet, und der Herr hat mir die Bitte erfüllt, die ich an ihn gerichtet habe. Darum lasse ich ihn auch vom Herrn zurückfordern. Er soll für sein ganzes Leben ein vom Herrn Zurückgeforderter sein. Und sie beteten dort den Herrn an.
Die allerseligste Jungfrau wird dich an ihrem Glauben teilnehmen lassen, der auf Erden größer war, als der Glaube der Patriarchen, Propheten, Apostel und aller Heiligen. […] Je mehr du also die Gunst dieser erlauchten Fürstin und treuen Jungfrau gewinnst, umso mehr wirst du den wahren Glauben in deiner ganzen Lebensführung besitzen: einen reinen Glauben, sodass du dich um das Sichtbare und Natürliche nicht mehr kümmerst; einen lebendigen und durch die Liebe beseelten Glauben, sodass du alle deine Handlungen aus reiner Liebe vollbringen wirst; einen Glauben, stark und unerschütterlich wie ein Felsen, sodass du fest und standhaft bleibst inmitten der Wirren und Stürme des Lebens; einen wirksamen und alles durchdringenden Glauben, mit dem du dir, wie mit einem geheimnisvollen Schlüssel, den Eingang in die Geheimnisse Jesu Christi, in die letzten Dinge des Menschen und in das Herz Gottes eröffnen kannst; einen mutigen Glauben, mit dem du ohne Zagen große Dinge für Gott und das Heil der Menschen unternehmen und vollenden wirst; einen Glauben, der dir eine leuchtende Fackel sein wird, um jene zu erleuchten, die in der Finsternis, im Schatten des Todes wandeln, und um jene zu entzünden, die kalt sind und des glühenden Feuers der Liebe bedürfen; einen Glauben, der dir göttliches Leben verleiht, um denen die durch die Sünde tot sind, das Leben zu geben; einen Glauben als verborgenen Schatz der göttlichen Weisheit, um durch deine milden und mächtigen Worte die steinernen Herzen zu rühren und die Zedern des Libanon zu Boden zu stürzen; und endlich einen Glauben als mächtige Waffe, um dem Satan und allen Feinden des Heils widerstehen zu können.
In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.
Preist den Herrn mit der Zither, spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe! Singt ihm ein neues Lied, greift voll in die Saiten und jubelt laut! Der Ratschluss des Herrn bleibt ewig bestehen, die Pläne seines Herzens überdauern die Zeiten. Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, der Nation, die er sich zum Erbteil erwählt hat. Unsre Seele hofft auf den Herrn; er ist für uns Schild und Hilfe. Ja, an ihm freut sich unser Herz, wir vertrauen auf seinen heiligen Namen.
Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel. Der Gazelle gleicht mein Geliebter, dem jungen Hirsch. Ja, draußen steht er an der Wand unsres Hauses; er blickt durch die Fenster, späht durch die Gitter. Der Geliebte spricht zu mir: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch! Denn vorbei ist der Winter, verrauscht der Regen. Auf der Flur erscheinen die Blumen; die Zeit zum Singen ist da. Die Stimme der Turteltaube ist zu hören in unserem Land. Am Feigenbaum reifen die ersten Früchte; die blühenden Reben duften. Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch! Meine Taube im Felsennest, versteckt an der Steilwand, dein Gesicht lass mich sehen, deine Stimme hören! Denn süß ist deine Stimme, lieblich dein Gesicht.
Unaufhörlich soll aus der Seele die Selbsthingabe emporsteigen, als vollkommenster Ausdruck der Liebe und als ein ständiges Verlangen nach göttlichem Erbarmen; so atmet die Seele die Liebe ein und aus, reinigt sich und vereint sich mit ihrem Gott. […] Die Jungfrau Maria war durch den Heiligen Geist voll der Gnade und im einfachen Licht Gottes versunken; daher richtete sie all ihre Kräfte ruhig auf die Erfüllung des göttlichen Willens aus. Da erscheint ihr der Erzengel Gabriel und grüßt sie. Einen Augenblick lang erschrickt sie über seine Anwesenheit und seine lobende Anrede. Doch ihr feines, geistliches Gespür erkennt sogleich die Übernatürlichkeit des Boten. […] Maria versteht, was der Engel ihr anträgt: Sie soll die Mutter des Messias werden. An so etwas hatte sie nicht gedacht, denn sie beachtet sich selbst nicht. Von einer solchen Schlichtheit war die unermessliche Größe ihrer Gnade, dass diese wie unter einem Schleier verborgen blieb. Maria kannte nur Gott und seinen Willen. Angesichts der Aussichten, die sich da plötzlich vor ihr auftun, stellt sie nur eine Frage, denn sie ist besorgt wegen ihrer Jungfräulichkeit: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Beruhigt durch die Worte des Engels: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten“, zögert die Jungfrau Maria nicht; sie bittet nicht um einige Tage Bedenkzeit, ja nicht einmal um ein paar Minuten der Vorbereitung. Sie gibt für sich selbst und für die ganze Menschheit ihr Einverständnis zu dem erhabensten und zugleich furchterregendsten aller Bundesschlüsse: Sie sagt Ja zur Vereinigung der Menschheit mit der Gottheit in ihrem Schoß, zum Kreuz auf Kalvaria und zum Mysterium der Kirche. Und das Wort ist Fleisch geworden, dank des „Fiat“ der Jungfrau. Dieses Fiat war schon seit langem durch eine vollkommene und uneingeschränkte Hingabebereitschaft ihrer geschmeidigen und fügsamen Seele vorbereitet. Auch in unseren Seelen ruft die Selbsthingabe das machtvolle Eingreifen Gottes hervor und bereitet uns auf das gleiche fruchtbare Fiat vor.
In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.
Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner. Denn er hat ihn auf Meere gegründet, ihn über Strömen befestigt. Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn, wer darf stehn an seiner heiligen Stätte? Der reine Hände hat und ein lauteres Herz, der nicht betrügt und keinen Meineid schwört. Er wird Segen empfangen vom Herrn und Heil von Gott, seinem Helfer. Das sind die Menschen, die nach ihm fragen, die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs.
In jenen Tagen sprach der Herr zu Ahas - dem König von Juda; er sagte: Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen, sei es von unten, aus der Unterwelt, oder von oben, aus der Höhe. Ahas antwortete: Ich will um nichts bitten und den Herrn nicht auf die Probe stellen. Da sagte Jesaja: Hört her, ihr vom Haus David! Genügt es euch nicht, Menschen zu belästigen? Müsst ihr auch noch meinen Gott belästigen? Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel - Gott mit uns - geben.
Es ist üblich, dass jeder, der möchte, dass man ihm glaubt, auch Gründe dafür angibt. Deshalb verkündete der Engel […] der Jungfrau Maria, dass eine betagte, unfruchtbare Frau Mutter werden würde, und machte damit deutlich, dass Gott alles vollbringen kann, was ihm gefällt. Sobald Maria davon erfuhr, eilte sie ins Bergland – nicht, weil sie der Weissagung zu wenig Glauben schenkte, auch nicht aus Unsicherheit angesichts einer solchen Ankündigung oder aus Zweifel […], sondern in der Wonne ihrer Erwartung, um eine heilige Pflicht zu erfüllen, in freudiger Dienstbereitschaft. Sie war ja von Gott erfüllt – wie sollte sie da nicht ins Bergland eilen können? Langes Überlegen ist unvereinbar mit der Gnade des Heiligen Geistes. Bis dahin hatte Maria allein und zurückgezogen von der Welt gelebt. Nun aber konnte weder ihre Bescheidenheit sie daran hindern, sich in aller Öffentlichkeit auf den Weg zu machen, noch konnten die steilen Berge oder die Länge des Weges sie davon abhalten, ihr Vorhaben durchzuführen und ihren Dienst zu tun. Die Jungfrau eilt ins Bergland: eine Jungfrau, die dienen will und nicht an die Strapazen denkt. Die Liebe macht sie stark […]; sie verlässt ihr Haus und bricht auf. […] Ihr habt das Feingefühl Mariens kennengelernt; lernt auch ihre Demut kennen! Die Jüngere kommt zur Älteren […], Höheres kommt zum Geringeren: Maria zu Elisabet, Christus zu Johannes, so wie sich auch später der Herr von Johannes taufen lässt, um die Taufe zu heiligen. Und sogleich wird der Segen offenkundig, der von der Ankunft Mariens und der Gegenwart des Herrn ausgeht; denn „als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt“. […] Die beiden Frauen sprechen über die Gnade, die ihnen widerfahren ist; die beiden Kinder machen diese Gnade offenbar und nehmen ihre Mütter mit hinein in dieses Geheimnis der Barmherzigkeit.