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Warum fürchtest du dich, Herodes, bei der Kunde von der Geburt des Königs? Er kommt doch nicht, dich zu stürzen, sondern den Teufel zu überwinden. Aber du erkennst es nicht, du erschrickst und wütest. Um den einen zu verderben, den du suchst, ermordest du grausam die vielen Kinder. Kein Erbarmen mit den jammernden Müttern hält dich zurück, nicht die Totenklage trauernder Väter oder das Schreien und Stöhnen der Kinder. Du mordest den Leib der Kleinen, aber die Furcht mordet dein Herz. Du meinst, ein langes Leben zu gewinnen, wenn es dir gelingt, den umzubringen, der das Leben selber ist. Der Quell der Gnade, so klein und so groß, der noch in der Krippe liegt, erschreckt dich auf deinem Thron. Ohne dass du es weißt, vollbringt er durch dich sein Werk und befreit die Seelen von der Herrschaft des Teufels. Er nimmt die Kinder deiner Feinde auf in die Schar der Kinder Gottes. Die Kinder sterben für Christus und wissen es nicht. Die Eltern ahnen es nicht, dass es Märtyrer sind, die sie beklagen. Gott macht die Kinder, die noch nicht sprechen können, fähig, Zeugnis zu geben für ihn. Siehe da, wie er herrscht, der so zu herrschen gekommen ist. Schon befreit der Befreier, schon rettet der Retter. Aber du, Herodes, du erkennst das nicht. Du erschrickst, und du wütest. Während du gegen den Knaben wütest, dienst du ihm und ahnst es nicht. Welch großes Geschenk der Gnade! Welche Verdienste hatten die Kinder, die so glanzvoll siegen durften? Sie können noch nicht sprechen, und schon bekennen sie Christus! Noch vermögen sie nicht die Glieder zum Kampf zu regen, und schon gewinnen sie die Palme des Sieges!
Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig, und er ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und Klagen: Rahel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn sie waren dahin.
Hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt, als sich gegen uns Menschen erhoben, dann hätten sie uns lebendig verschlungen, als gegen uns ihr Zorn entbrannt war. Dann hätten die Wasser uns weggespült, hätte sich über uns ein Wildbach ergossen. Dann hätten sich über uns die Wasser ergossen, die wilden und wogenden Wasser. Unsre Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei. Unsre Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Brüder! Das ist die Botschaft, die wir von Jesus Christus gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis leben, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht leben, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde. Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten. Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt.
Entsprechend der Gnade, die bewirkte, dass Jesus ihn liebte und ihn beim letzten Abendmahl an seiner Brust ruhen ließ (vgl. Joh 13,23), empfing Johannes in hohem Maße Einsicht und Weisheit [die Gaben des Geistes] (vgl. Jes 11,2): Einsicht, um die Schriften zu verstehen, und Weisheit, um mit bewundernswerter Kunst die eigenen Schriften zu verfassen. Er hat – um genau zu sein – diese Gabe nicht von dem Moment an empfangen, als er an der Brust Jesu ruhte, auch wenn er später aus diesem Herzen, „in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind“ (vgl. Kol 2,3) schöpfen konnte. Wenn er sagt, dass er beim Betreten des Grabes „sah und glaubte“, gibt er auch gleich zu, dass sie „noch nicht aus der Schrift wussten, dass er von den Toten auferstehen musste“ (vgl. Joh 20,8–9). Wie die anderen Apostel erhielt auch Johannes sein volles Maß erst, als [an Pfingsten] der Heilige Geist kam und ein jeder die Gnade in dem Maß empfing, „wie Christus sie ihm geschenkt hat“ (Eph 4,7). […] Jesus, der Herr, liebte diesen Jünger mehr als die anderen […], und er offenbarte ihm die Geheimnisse des Himmels […], damit er das tiefe Mysterium in Worte fasse, über das der Mensch von sich aus nichts sagen kann: das Geheimnis des Wortes, des Wort Gottes, des fleischgewordenen Wortes. Das ist die Frucht dieser Liebe. Aber wenngleich er ihn liebte, sagte Jesus nicht zu ihm: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“ (Mt 16,18). […] Während unser Herr alle seine Jünger und vor allem Petrus mit einer Liebe des Geistes und der Seele liebte, liebte er Johannes mit einer Liebe des Herzens. […] In der Ordnung des Apostolats erhielt Simon Petrus den ersten Platz und „die Schlüssel des Himmelreichs“ (Mt 16,19); Johannes hingegen fiel ein anderes Erbe zu: der Geist der Einsicht, ein Schatz des „Jubels und der Freude“ (vgl. Sir 15,6).
Am ersten Tag der Woche lief Maria von Magdala schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.
Der Herr ist König. Die Erde frohlocke. Freuen sollen sich die vielen Inseln. Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel, Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Throns. Berge schmelzen wie Wachs vor dem Herrn, vor dem Antlitz des Herrschers aller Welt. Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel, seine Herrlichkeit schauen alle Völker. Ein Licht erstrahlt den Gerechten und Freude den Menschen mit redlichem Herzen. Ihr Gerechten, freut euch am Herrn, und lobt seinen heiligen Namen!
Brüder! Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Wir schreiben dies, damit unsere Freude vollkommen ist.
Der Engel irrte sich nicht, als er zu Joseph sagte: „[…] fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen“ (Mt 1,20). […] Der Titel „Frau“ war weder eitel noch verlogen, denn diese Jungfrau war die Freude ihres Gatten, und zwar um so vollkommener und wunderbarer, als sie ohne Mitwirkung dieses Gatten Mutter wurde – ohne ihn fruchtbar, doch mit ihm treu. Aufgrund dieser echten Ehe haben es beide verdient, „Eltern Christi“ genannt zu werden, also nicht nur sie „seine Mutter“, sondern auch er „sein Vater“, insofern er der Gemahl seiner Mutter war, Vater und Gatte dem Geist, nicht dem Fleische nach. Beide – er nur im Geiste, sie bis in ihr Fleisch hinein – sind Eltern seiner Demut, nicht seiner Hoheit, Eltern seiner Schwachheit, nicht seiner Göttlichkeit. Seht, was das Evangelium sagt, das nicht lügen kann: „Seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht“ (Lk 2,48). Er wollte zeigen, dass er außer ihnen noch einen Vater hat, der ihn ohne Mutter gezeugt hatte, und so antwortete er ihnen: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Und damit man nicht denkt, er verleugne mit diesen Worten seine Eltern, fügt der Evangelist hinzu: „Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam“. […] Warum aber unterwarf er sich jenen, die so weit unter seiner göttlichen Natur standen? Weil „er sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm“ (vgl. Phil 2,7), nach der sie seine Eltern waren. Wären sie nicht durch eine wahre Ehe verbunden gewesen, wenn auch ohne fleischlichen Verkehr, so hätten sie nicht die Eltern dieser Knechtsgestalt genannt werden können. Betrachten wir also von Joseph ausgehend die Abstammung Christi: Als Gatte in Keuschheit, ist er in gleicher Weise Vater. […] „Er hat Jesus nicht auf natürliche Weise gezeugt“, sagt ihr? Aber Maria selbst, hat sie auf natürliche Weise empfangen? Also! Was der Heilige Geist gewirkt hat, das hat er für beide zusammen gewirkt. Denn Joseph war, wie uns Matthäus sagt (vgl. 1,19), „ein gerechter Mann“. Sie waren beide gerecht, der Gatte und die Frau. Der Heilige Geist ruhte auf ihrer gemeinsamen Gerechtigkeit und schenkte beiden einen Sohn.
Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.