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„Ich bin verirrt wie ein verlorenes Schaf. Suche deinen Knecht!“ (Ps 119(118),176). Herr, ich bin das arme Schaf, das sich verirrt hat, als es der Befriedigung seiner Neigungen und Launen nachjagte. Aber du, der du sowohl Hirte bist als auch Lamm, du bist vom Himmel herabgekommen, um mich zu erretten, indem du dich am Kreuz als Opfer hingegeben hast, zur Sühne für meine Sünden: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ Wenn ich mich also bessern will, was habe ich dann noch zu befürchten? […] „Ja, Gott ist meine Rettung; ihm will ich vertrauen und niemals verzagen“ (Jes 12,2). Du hast dich selbst mir geschenkt: Hättest du, um mir Vertrauen einzuflößen, einen größeren Beweis deiner Barmherzigkeit geben können? Liebes [Jesus-]Kind, wie sehr bereue ich, dich verletzt zu haben! Ich habe dich im Stall von Bethlehem zum Weinen gebracht; aber ich weiß, dass du gekommen bist, mich zu suchen. Darum werfe ich mich dir zu Füßen nieder, denn trotz des Elends und der Erniedrigung, in der ich dich in dieser Krippe und auf diesem Stroh vorfinde, erkenne ich dich als meinen König und meinen höchsten Herrn an. Ich begreife den Sinn deines so zärtlichen Weinens: Es lädt mich ein, dich zu lieben, es verlangt nach meinem Herzen. Hier ist es, mein Jesus, ich liege dir heute zu Füßen, um es dir anzubieten. Wandle es, entzünde es, da du vom Himmel herabgekommen bist, um die Herzen mit deiner heiligen Liebe zu entzünden. Ich höre, wie du aus der Krippe zu mir sprichst: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen“ (Mt 22,37; vgl. Dtn 6,5). Und ich antworte: „Mein Jesus, wenn ich dich nicht liebe, dich, meinen Herrn und meinen Gott, wen sonst sollte ich lieben?“
In jener Zeit stand Johannes wieder am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte - Christus. Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels - Petrus.
Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Er hat mit seiner Rechten geholfen und mit seinem heiligen Arm. Es brause das Meer und alles, was es erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner. In die Hände klatschen sollen die Ströme, die Berge sollen jubeln im Chor. Jubeln sollen alle vor dem Herrn, wenn er kommt, um die Erde zu richten. Er richtet den Erdkreis gerecht, die Nationen so, wie es recht ist.
Meine Kinder, lasst euch von niemand in die Irre führen! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie Er gerecht ist. Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören. Jeder, der von Gott stammt, tut keine Sünde, weil Gottes Same in ihm bleibt. Er kann nicht sündigen, weil er von Gott stammt. Daran kann man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennen: Jeder, der die Gerechtigkeit nicht tut und seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott.
Jesus ist derjenige, der dem Fleische nach „aus der Wurzel Jesse“ hervorgegangen ist, „dem Fleisch nach geboren als Nachkomme Davids“, aber „dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt als Sohn Gottes in Macht“ (vgl. Jes 11,1 LXX; vgl. Röm 1,3–4). Ja, er ist „der Schössling aus der Wurzel Jesses“ (vgl. Jes 11,1 LXX), und doch ist er kein Trieb, sondern „der Erstgeborene der ganzen Schöpfung“ (Kol 1,15). Er ist nicht nur ein Trieb, sondern Gott, „das Wort, das im Anfang bei Gott war“ (vgl. Joh 1,1–2); und doch ist er dem Fleisch nach geboren als „ein Schössling aus der Wurzel Jesse, und eine Blume emporgestiegen aus der Wurzel“ (vgl. Jes 11,1 LXX) […]. „Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht“ (Jes 11,2). Nicht auf Mose ruhte der Geist der Weisheit, nicht auf Josua, auf keinem der Propheten, weder auf Jesaja noch auf Jeremia. […] Er kam zwar über Mose, danach aber mangelte es diesem an Glauben: „Hört, ihr Meuterer, können wir euch wohl aus diesem Felsen Wasser fließen lassen?“ (Num 20,10). Er kam über alle Gerechten. Er ist auch über Jesaja gekommen, aber was sagt der? „Ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und lebe mitten in einem Volk mit unreinen Lippen“ (Jes 6,5). […] Der Geist kann sehr wohl über jeden Menschen kommen, aber er kann dort keine Ruhe finden, denn jeder Mensch sündigt, und es gibt auf der Erde keinen Gerechten, der das Gute tut und niemals fällt. „Denn wer wird rein sein von Schmutz? Gewiss keiner!“ (Ijob 14,4 LXX). […] Wenn der Geist auch auf viele herabgekommen ist, so ist er doch auf keinem geblieben. Weiter vorne steht in der Schrift: „Mein Geist“, spricht der Herr, „soll nicht für immer im Menschen bleiben“ (Gen 6,3). […] Johannes der Täufer sah einen Menschen, einen einzigen, auf dem der Geist blieb, und das war das Zeichen, das Gott ihm gegeben hatte: „Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist […] der Sohn Gottes“ (Joh 1,33–34).
In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekanntzumachen. Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.
Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Er hat mit seiner Rechten geholfen und mit seinem heiligen Arm. Er dachte an seine Huld und an seine Treue zum Hause Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes. Er dachte an seine Huld und an seine Treue zum Hause Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes. Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde, freut euch, jubelt und singt! Spielt dem Herrn auf der Harfe, auf der Harfe zu lautem Gesang! Zum Schall der Trompeten und Hörner jauchzt vor dem Herrn, dem König!
Liebe Brüder! Wenn ihr wisst, dass er gerecht ist, erkennt auch, dass jeder, der die Gerechtigkeit tut, von Gott stammt. Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist. Jeder, der die Sünde tut, handelt gesetzwidrig; denn Sünde ist Gesetzwidrigkeit. Ihr wisst, dass er erschienen ist, um die Sünde wegzunehmen, und er selbst ist ohne Sünde. Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht. Jeder, der sündigt, hat ihn nicht gesehen und ihn nicht erkannt.
„Was […] wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens“ (1 Joh 1,1). […] Das fleischgewordene Wort hat sich den Aposteln auf zweierlei Weise zu erkennen gegeben: Sie erkannten es erstens durch das Sehen, indem sie vom Wort selbst die Erkenntnis des Wortes erhielten, und zweitens durch das Hören, indem sie dieses Mal durch das Zeugnis Johannes des Täufers die Erkenntnis des Wortes erhielten. In Bezug auf das Wort versichert der Evangelist Johannes: „Wir haben seine Herrlichkeit gesehen“ […]. Für Johannes Chrysostomus hängen diese Worte mit dem zusammen, was im Johannesevangelium unmittelbar vorausgeht: „Das Wort ist Fleisch geworden“. Der Evangelist will sagen: Die Menschwerdung hat uns nicht nur den Segen verliehen, Kinder Gottes zu werden, sondern auch den Segen, seine Herrlichkeit zu sehen. In der Tat können schwache und kranke Augen nicht unmittelbar in das Licht der Sonne blicken; scheint es jedoch in einer Wolke oder durch ein verdunkeltes Gebilde, dann können sie es. Vor der Menschwerdung des Wortes waren die menschlichen Seelen nicht in der Lage, das Licht selbst, „das jeden Menschen erleuchtet“, unmittelbar zu schauen. Damit sie also nicht der Freude beraubt würden, es zu sehen, wollte das Licht selbst, das Wort Gottes, Fleisch annehmen, damit wir es sehen können. Da „wandten sich die Menschen zur Wüste hin und sahen die Herrlichkeit des Herrn in einer Wolke“ (vgl. Ex 16,10), das heißt, das Wort Gottes im Fleisch. […] Und der heilige Augustinus bemerkt, dass der Logos (das Wort), damit wir Gott sehen können, die Augen der Menschen heilte, indem er sein Fleisch zu einer heilsamen Augensalbe machte. […] Deshalb fügt der Evangelist – gleich nachdem er gesagt hat: „Das Wort ist Fleisch geworden“ – hinzu: „und wir haben seine Herrlichkeit gesehen“, als wolle er sagen, dass unsere Augen heil wurden, sobald die Augensalbe aufgetragen war. […] Diese Herrlichkeit ist es, die Mose sehen wollte, von der er aber nur Schatten und Zeichen sah. Die Apostel hingegen haben seine Herrlichkeit selbst gesehen.
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.