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Der Herr war zu einem Hochzeitsmahl geladen worden. Als er nun die anderen Gäste betrachtete, fiel ihm auf, dass sich alle die vordersten Plätze aussuchten […], weil jeder mehr als die anderen gelten und sich über die anderen stellen wollte. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis (Lk 14,16–24), das, selbst wenn man es wörtlich nimmt, sehr nützlich und für alle notwendig ist, die in den Augen der Leute etwas gelten wollen und Angst davor haben, herabgesetzt zu werden. […] Doch da diese Geschichte ein Gleichnis ist, enthält sie eine Bedeutung, die den wörtlichen Sinn übersteigt. Betrachten wir also näher, was das für eine Hochzeit ist und wer die Eingeladenen sind. Die Hochzeit vollzieht sich täglich in der Kirche. Jeden Tag feiert der Herr Hochzeit, denn jeden Tag vereinigt er sich mit den Seelen der Gläubigen, die getauft werden oder aus dieser Welt in das Himmelreich hinübergehen. Und wir, die wir den Glauben an Jesus Christus und das Siegel der Taufe empfangen haben, sind alle eingeladen zu dieser Hochzeit. Dort ist ein Tisch für uns gedeckt, von dem es in der Schrift heißt: „Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde“ (Ps 23(22),5). Wir finden darauf die Opferbrote, das Mastkalb, das Lamm, das die Sünden der Welt hinwegnimmt (vgl. Ex 25,30; Lk 15,23; Joh 1,29). Hier wird uns das lebendige Brot gereicht, das vom Himmel herabkommt, und der Kelch des Neuen Bundes (vgl. Joh 6,51; 1 Kor 11,25). Hier werden uns die Evangelien und die Apostelbriefe, die Bücher des Mose und der Propheten vorgesetzt, wie überaus köstliche Speisen. Was könnten wir uns also mehr wünschen? Warum sollten wir nach den ersten Plätzen Ausschau halten? Welchen Platz auch immer wir wählen, wir haben alles im Überfluss und es fehlt uns an nichts.
Jesus kam an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen. Da beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, erzählte er ihnen ein Gleichnis. Er sagte zu ihnen: Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen bist, nimm nicht den Ehrenplatz ein! Denn es könnte ein anderer von ihm eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. Vielmehr, wenn du eingeladen bist, geh hin und nimm den untersten Platz ein, damit dein Gastgeber zu dir kommt und sagt: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich wieder ein, und dir ist es vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.
Schwestern und Brüder! Ihr seid nicht zu einem sichtbaren, lodernden Feuer hingetreten, zu dunklen Wolken, zu Finsternis und Sturmwind, zum Klang der Posaunen und zum Schall der Worte, bei denen die Hörer flehten, diese Stimme solle nicht weiter zu ihnen reden; Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind; zu Gott, dem Richter aller, zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten, zum Mittler eines neuen Bundes, Jesus.
Die Gerechten freuen sich, sie jubeln vor Gott und jauchzen in Freude. Singt für Gott, spielt seinem Namen; Erhebt ihn, der durch die Steppen einherfährt! Ein Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung. Gott bringt Verlassene heim, führt Gefangene hinaus in das Glück; doch Aufsässige müssen wohnen im dürren Land. Gott, du ließest Regen strömen in Fülle über dein verschmachtendes Erbland, das du selbst gegründet. Dein Geschöpf fand dort Wohnung; Gott, in deiner Güte versorgst du den Armen.
Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden, und du wirst geliebt werden von anerkannten Menschen! Je größer du bist, umso mehr demütige dich und du wirst vor dem Herrn Gnade finden! Denn groß ist die Macht des Herrn, von den Demütigen wird er gerühmt. Es gibt keine Heilung für das Unglück des Hochmütigen, denn eine Pflanze der Bosheit hat in ihm Wurzel geschlagen. Das Herz eines Verständigen wird einen Sinnspruch überdenken und das Ohr des Zuhörers ist die Sehnsucht des Weisen.
„Meine Brüder, lasst uns endlich anfangen, denn bis jetzt haben wir nichts fertiggebracht.“ An sich selbst richtete der heilige Franziskus diese Ermahnung; machen wir sie uns demütig zu eigen. Es ist wahr: Wir haben noch nichts oder nur sehr wenig getan! Die Jahre sind vergangen, ohne dass wir uns gefragt hätten, was wir daraus hätten machen können; gab es denn in unserer Lebensführung nichts zu ändern, zu ergänzen oder auszumerzen? Wir haben unbekümmert dahingelebt, als ob der Tag niemals kommen würde, an dem der ewige Richter uns zu sich rufen wird und wir Rechenschaft ablegen müssen über unsere Taten und darüber, was wir mit unserer Zeit angefangen haben. Vergeuden wir nicht unsere Zeit! Was wir heute tun können, sollten wir nicht auf morgen verschieben: Die Gräber quellen über von guten Vorsätzen. Und überhaupt: Wer kann denn sagen, ob wir morgen noch am Leben sein werden? Hören wir auf die Stimme unseres Gewissens; es ist die Stimme des Propheten: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet nicht euer Herz“ (vgl. Ps 95(94),7–8 LXX). Wir besitzen nur den gegenwärtigen Augenblick: Seien wir also wachsam und leben wir ihn wie einen Schatz, der uns anvertraut wurde. Die Zeit gehört uns nicht; vergeuden wir sie nicht.
In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen. Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn! Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn! Zuletzt kam auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder. Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.
Selig die Nation, deren Gott der HERR ist, das Volk, das er sich zum Erbteil erwählt hat. Der HERR blickt herab vom Himmel, er sieht alle Menschen. Von seinem Thronsitz schaut er nieder auf alle Bewohner der Erde. Der ihre Herzen gebildet hat, er achtet auf all ihre Taten. Unsre Seele hofft auf den HERRN; er ist unsre Hilfe und unser Schild. Ja, an ihm freut sich unser Herz, wir vertrauen auf seinen heiligen Namen.
Seht auf eure Berufung, Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott. Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn; so heißt es schon in der Schrift.
Der Herr hat uns gesagt: „Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn“, um damit jede Frage nach dem Zeitpunkt seiner Wiederkehr abzuwehren: „Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren“ (Mt 24,36; Apg 1,7). Er hat uns dies verborgen, damit wir wachen und ein jeder von uns denken kann, diese Wiederkunft würde während seiner Lebenszeit geschehen. […] Wacht also, denn wenn der Leib schläft, beherrscht uns die Natur, und unser Tun wird dann nicht durch unseren Willen geleitet, sondern durch die Kraft der Natur. Und wenn auf der Seele eine schwere Benommenheit aus Schwäche und Traurigkeit lastet, dann ist es der Feind, der sie beherrscht und sie gegen ihren Willen führt. […] Deshalb hat unser Herr von der Wachsamkeit der Seele und des Leibes gesprochen, damit weder der Leib in bleiernem Schlaf, noch die Seele in Abgestumpftheit dahindämmere. Wie auch die Schrift sagt: „Werdet nüchtern, wie es sich gehört“ (1 Kor 15,34) und „Ich wachte auf und bin noch immer bei dir“ (vgl. Ps 138(139),18 LXX) und „Verzagt nicht“ (vgl. Eph 3,13). […] „Fünf von ihnen“, sagt der Herr, „waren töricht, und fünf waren klug.“ Nicht ihre Jungfräulichkeit ist es, die er als klug bezeichnet, denn sie alle waren Jungfrauen, sondern ihre guten Werke. Wenn deine Keuschheit der Heiligkeit der Engel gleichen sollte, so beachte, dass die Heiligkeit der Engel auch frei von Neid und jedem anderen Übel ist. Wenn du also nicht der Unreinheit wegen getadelt wirst, dann sei wachsam, dass du nicht der Unbeherrschtheit oder des Zornes wegen getadelt werden musst. […] „Legt euren Gürtel nicht ab“, damit die Keuschheit uns entlaste. „Lasst eure Lampen brennen“ (Lk 12,35), denn die Welt ist wie die Nacht: Sie bedarf des Lichtes der Gerechten. „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16).